Der Beirat von Australiens Großbank Westpac verliert eines seiner Mitglieder. Peter Nash tritt zurück, um die Bank aus dem Schatten des laufenden KPMG-Skandals zu lösen. Sein Werdegang beim Beratungshaus und private Verbindungen bringen die Institution zunehmend in Erklärungsnot.
Zum ersten Juli hat Peter Nash seinen Sessel im Aufsichtsgremium der Westpac Banking Corp geräumt. Bankvorsitzender Steven Gregg begründete den Schritt mit der Notwendigkeit, das Institut vor anhaltenden Ablenkungen zu bewahren. Vor dem Hintergrund der jüngsten Berichterstattung sei jetzt der richtige Zeitpunkt für Nashs Ausstieg. Der zurückgetretene Direktor kann auf eine lange Verbindung zu KPMG zurückblicken. Bis 2017 arbeitete er als Senior Partner beim Beratungshaus, war zudem nationaler Vorsitzender der australischen Einheit und saß in regionalen wie globalen Führungsgremien. Zur Westpac-Bank kam er ein Jahr später, im Jahr 2018.
Was Nash zum Rücktritt bewog, lässt sich ohne den Blick auf den KPMG-Skandal nicht verstehen. Das Beratungshaus steht unter massivem Druck, nachdem Whistleblower dem Unternehmen vorgeworfen hatten, vertrauliche Mandanteninformationen mit möglichen Neukunden geteilt zu haben, um sich Prüfungsaufträge zu sichern. Dieser Vorwurf hat inzwischen personelle Folgen an der KPMG-Spitze gezeitigt. Der bisherige Chairman Martin Sheppard trat vor wenigen Tagen zurück. Aus einer parlamentarischen Anhörung Mitte Juni sickerte durch, dass Nash und Sheppard eine langjährige Freundschaft verbindet. Während der Ausschreibungsphase für das Westpac-Prüfungsmandat übernachtete Sheppard demnach im Haus von Nash.
Die Skepsis der Anleger gegenüber Nash hatte sich bereits im Dezember 2024 gezeigt. Bei seiner Wiederwahl in den Westpac-Beirat stimmten rund 40 Prozent der Investoren gegen ihn. Grund waren allerdings damals andere Vorbehalte, nämlich seine gleichzeitige Tätigkeit als Direktor der australischen Börse ASX in einer turbulenten Phase des Handelsplatzes. Zudem hatte die lokale Presse 2023 berichtet, dass Nash bei den Bewerbungsgesprächen der Prüfungsgesellschaften anwesend war, die sich um den Bank-Auftrag beworben hatten. Am Ende wechselte Westpac von PwC zu KPMG.
Gregg verteidigte den Ablauf der Ausschreibung. Nash habe seine früheren Verbindungen zu KPMG offengelegt und sei nicht Teil des Auswahlgremiums gewesen. Gleichwohl räume er selbst die entstandene Wahrnehmung einer möglichen Voreingenommenheit ein. Diese Formulierung fasst die eigentliche Herausforderung zusammen: Selbst wenn formell alles regelkonform abgelaufen sein sollte, reicht in einem laufenden Skandal oft schon der äußere Anschein, um Vertrauen zu erschüttern. Nash selbst verwies in seiner eigenen Erklärung darauf, dass sich die Bank während seiner Amtszeit deutlich verändert habe und für die Zukunft gut aufgestellt sei. Auf seinen früheren Arbeitgeber ging er dabei mit keinem Wort ein.




