Das Bundesforschungsministerium hat Alexander Geschonneck zum Sonderprüfer des Helmholtz-Zentrums Cispa in Saarbrücken berufen. Der Cybercrime-Experte soll klären, ob sensibles Wissen aus den Bereichen KI und Cybersicherheit nach China geflossen ist.
Seit Wochenbeginn ist die Sonderprüfung am Saarbrücker Sicherheitsforschungszentrum offiziell im Gang. Die Wahl der Berliner Behörde fiel auf einen Mann, der für Untersuchungen dieser Sensibilität wie geschaffen scheint. Geschonneck führt bei der Beratungsgesellschaft KPMG die forensische Sparte auf weltweiter Ebene und sitzt zugleich im internen Steuerungsgremium für diesen Bereich.
Wer den Namen schon einmal gehört hat, dürfte ihn mit einem der größten deutschen Wirtschaftsskandale verbinden. Geschonneck stand in den Jahren 2019 und 2020 an der Spitze der Sonderuntersuchungen rund um den Zusammenbruch von Wirecard. Darüber hinaus hat er sich als Autor von Fachbüchern zu Computerstraftaten einen Namen erarbeitet.
Im Kern der Untersuchung steht die Frage, ob das Cispa seinen Schutzpflichten gegenüber sicherheitspolitischen Interessen der Bundesrepublik nachgekommen ist. Der Verdacht: Forschungsergebnisse aus den Feldern Künstliche Intelligenz und IT-Sicherheit könnten ihren Weg in chinesische Hände gefunden haben. Brisant wird die Lage durch den Status des Cispa als eines der renommiertesten deutschen Häuser im Bereich der Cybersicherheitsforschung. Michael Backes, der das Cispa gegründet hat, wurde während der laufenden Aufklärung von seinen Aufgaben entbunden.
Aus dem Bundesforschungsministerium kommen klare Aussagen zur Stoßrichtung. Forschungseinrichtungen müssten in der Lage sein, Angriffe abzuwehren, gleich ob diese von außen oder aus den eigenen Reihen erfolgten. Die Berliner Behörde arbeitet nach eigenen Angaben mit allen relevanten Sicherheitsbehörden zusammen. Sollte die Untersuchung Hinweise auf strafrechtlich relevantes Verhalten zutage fördern, wäre eine Einbindung der Strafverfolgungsbehörden ebenfalls vorgesehen.




