Die US-Beratungsgesellschaft will ihre bei Private-Credit-Firmen aufgenommenen Schulden ablösen und wechselt dafür an die öffentlichen Märkte. Die Deutsche Bank steuert die Platzierung.
Wer schnell wächst, zahlt anfangs oft drauf. Baker Tilly finanzierte seine Expansion bislang über private Kreditfonds, deren Geld zwar rasch floss, aber seinen Preis hatte. Jetzt will die Gruppe umschulden. Nach Angaben von Bloomberg soll die Deutsche Bank in den kommenden Tagen Anleihen im Umfang von etwa drei Milliarden Dollar bei Investoren unterbringen, die Gespräche laufen noch, die genauen Bedingungen stehen aus. Der Reiz für die Beratungsgruppe liegt auf der Hand: Wandern die Verbindlichkeiten an den öffentlichen Markt, verteilt sich das Risiko auf viele Gläubiger, und die Abhängigkeit von einzelnen Fonds sinkt.
Wie es überhaupt so weit kam, erklärt die jüngere Firmengeschichte. Seit die Beteiligungsgesellschaft Hellman & Friedman 2024 einstieg, verleibte sich Baker Tilly einen regionalen Anbieter nach dem anderen ein, zuletzt die New Yorker Prüfer von Anchin, Block & Anchin und im Dezember die Beratung Berkowitz Pollack Brant aus Miami. Der größte Brocken war jedoch die Verschmelzung mit Moss Adams im Frühjahr 2025, ein Sieben-Milliarden-Deal, aus dem die Nummer sechs unter den US-Prüfern hervorging. Für dessen Finanzierung schoss ein Konsortium unter Führung von Blackstone rund 1,5 Milliarden Dollar zu, allerdings zu einem happigen Aufschlag von 4,5 Prozentpunkten über dem Referenzzins. Genau diese teuren Altlasten will die Gruppe nun ablösen.
Die Transaktion ist mehr als eine hausinterne Umschuldung. Sie fällt mitten in ein Kräftemessen zwischen klassischen Banken und privaten Kreditmanagern, die sich zuletzt mit Tempo und flexiblen Bedingungen einen wachsenden Anteil am Geschäft mit fremdfinanzierten Übernahmen gesichert hatten. Gelingt Baker Tilly die Rückkehr an den breiten Anleihemarkt, holt sich das Bankenlager ein Stück Terrain zurück. Zugleich liefert der Fall einen Gradmesser dafür, wie viel Vertrauen Investoren einem Beratungshaus entgegenbringen, das sein Wachstum fast ausschließlich über Zukäufe angetrieben hat.




