Der Pharma-Zulieferer aus Düsseldorf legt einen Jahresabschluss vor, der für sich genommen schon ein deutliches Warnsignal sendet. KPMG unterschreibt zwar das Testat, weist aber auf Gefahren für die Fortführung des Konzerns hin.
Wer in Unternehmensberichten zwischen den Zeilen liest, weiß: Ein Hinweis auf Risiken für den Fortbestand wirkt wie ein gelbes Blinklicht. KPMG hat zwar grünes Licht für den Abschluss gegeben, ergänzt aber genau diesen Vermerk. Dahinter stecken üblicherweise Vereinbarungen mit Banken, sogenannte Kovenants, die den Geldgebern bei verletzten Kennzahlen ein Eingreifen erlauben. Damit das nicht passiert, hat der Vorstand zwei Pflichten. Zum einen muss er die amerikanische Tochter Centor noch in diesem Jahr verkaufen. Zum anderen müssen Darlehen, die Ende 2027 fällig werden, rechtzeitig auf neue Beine gestellt werden.
Im Kern der Aufregung steht ein Mechanismus, der unter dem Begriff Bill and Hold läuft. Vereinfacht: Eine Rechnung wandert vom Versender zum Kunden, obwohl die Ware noch im eigenen Lager steht. Solche Konstrukte sind nicht grundsätzlich verboten, aber an klar definierte Bedingungen geknüpft. Im konkreten Fall führte die Vorgehensweise dazu, dass die Bilanz 2024 schöner aussah, als sie es hätte sein dürfen. Der Umsatz war um knapp 45 Millionen Euro übertrieben, der operative Gewinn um gut 31 Millionen. Der Konzern macht dafür einzelne Beschäftigte verantwortlich, die interne Regeln bewusst ausgehebelt hätten.
Für das Geschäftsjahr 2025 weist Gerresheimer einen Verlust von etwa 319 Millionen Euro aus. Die Aktie verschwand bereits aus dem SDax. Finanzvorstand Wolf Lehmann verkauft die Vorlage des Abschlusses als „wichtiges positives Signal" für Kunden, Banken und Anleger. Beim Blick voraus überwiegt jedoch Zurückhaltung. Statt der zuvor erwarteten 2,4 Milliarden Euro stellt das Haus für 2026 nur noch maximal 2,35 Milliarden in Aussicht. Beim freien Cashflow wird mit einem Minus zwischen 50 und 100 Millionen Euro gerechnet.




