Bertelsmann-Studie: Innovationsbasis in Deutschland schrumpft dramatisch

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March 17, 2026
19.03.2026
3 Minuten Lesezeit

Die Analyse "Innovative Milieus 2026" dokumentiert einen alarmierenden Trend: Nur noch 13 Prozent der Unternehmen zählen zur innovationsstarken Spitze, 2019 war es noch ein Viertel. Gleichzeitig steigt der Anteil innovationsschwacher Firmen auf fast 40 Prozent.

Innovationsdynamik schwächt sich in kritischer Phase ab

Die deutsche Wirtschaft verliert ausgerechnet in einer Phase verschärften globalen Wettbewerbs, geopolitischer Spannungen und beschleunigter technologischer Entwicklungen an Innovationskraft. Das zeigt die Studie "Innovative Milieus 2026" im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, für die mehr als 1.100 Unternehmen befragt wurden. Nur noch 13 Prozent der Unternehmen zählen 2026 zur innovationsstarken Spitze in Deutschland, 2019 war es noch rund ein Viertel gewesen. Parallel dazu ist der Anteil innovationsschwacher Unternehmen auf nahezu 40 Prozent gestiegen. Innovation verliert damit in der Breite der Unternehmenslandschaft an strategischer Verankerung. Armando García Schmidt, Innovationsexperte der Bertelsmann Stiftung, warnt eindringlich: "Die Innovationsbasis unseres Landes schrumpft, während der internationale Wettbewerb härter wird. Wenn wir jetzt nicht entschlossen handeln, riskieren wir einen nachhaltigen Verlust an technologischer Wettbewerbsfähigkeit."

Industrie verliert an Boden, Dienstleister rücken vor

Die Studie dokumentiert eine bemerkenswerte Verschiebung in der deutschen Innovationslandschaft: Industrielle Kernbranchen verlieren spürbar an Innovationskraft, während wissensintensive Dienstleistungen und die IT-Wirtschaft zunehmend die Rolle technologischer Vorreiter übernehmen. Gleichzeitig gibt es seltener grundlegende Neuerungen. Unternehmen setzen häufiger auf schrittweise Produkt- und Prozessverbesserungen statt auf disruptive Innovationen. Trotz des insgesamt negativen Trends zeigt die Analyse jedoch auch positive Entwicklungen: Digitale Schlüsseltechnologien gewinnen deutlich an Bedeutung und verbreiten sich zunehmend auch jenseits der innovationsstarken Spitze. 70 Prozent der befragten Unternehmen nutzen heute Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen, ein Viertel aller Unternehmen sogar intensiv. Für die kommenden Jahre erwarten noch mehr Unternehmen eine hohe strategische Relevanz dieser Technologien für ihre Produkte und Geschäftsmodelle.

Hightech-Agenda muss schnell umgesetzt werden

Anders präsentiert sich die Situation bei komplexen Deep-Tech- und anspruchsvollen Green-Tech-Anwendungen. Technologien wie CO2-Abscheidung oder andere forschungsintensive Zukunftstechnologien werden nur von wenigen Unternehmen intensiv genutzt. Auch im Bereich Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Materialien sind zwar Fortschritte sichtbar, doch eine breite Anwendung bleibt bislang aus. Die Ergebnisse stehen nicht isoliert: Eine im Januar veröffentlichte Studie der Stiftung zeigte bereits eine spürbare Investitionszurückhaltung im Innovationsbereich, insbesondere bei kleineren und innovationsfernen Unternehmen. García Schmidt, Senior Expert im Wirtschaftsprogramm der Bertelsmann Stiftung, fordert von der Politik verlässliche Rahmenbedingungen, klare Prioritäten und eine strategische Fokussierung: "Es ist höchste Zeit zu handeln, wenn wir wettbewerbsfähig bleiben und bei Zukunftstechnologien vorne mitspielen wollen. Was wir jetzt brauchen, ist eine kohärente Wirtschafts- und Innovationspolitik mit einer Hightech-Agenda, die auch die Breite der Unternehmenslandschaft neu in Bewegung bringt."