Der Londoner Wachstumsmarkt AIM verändert sein Prüferbild grundlegend. Nach mehreren FRC-Sanktionsverfahren und stark gestiegenen Prüfungskosten ziehen sich PwC, Deloitte, EY und KPMG systematisch aus dem risikoreichen Segment zurück, während die zweite Reihe die frei werdenden Mandate übernimmt.
Vor drei Jahren betreuten die Big Four gemeinsam 49 der 100 Unternehmen im FTSE AIM 100 Index, laut aktueller Adviser-Rankings-Auswertung sind es aktuell nur noch 30. Im engeren FTSE AIM UK 50 sank ihr Anteil im zweiten Quartal 2026 von zuvor 58 auf 42 Prozent. Hintergrund ist ein bewusster Portfoliobereinigungskurs: Die vier großen Häuser sortieren risikoexponierte Mandate aus, um weitere Sanktionen der Financial Reporting Council zu vermeiden, und konzentrieren sich zunehmend auf den FTSE 100, wo Deloitte, KPMG und PwC erstmals seit fast acht Jahren gleichauf an der Spitze liegen.
Bereits konkret gewechselt sind unter anderem Serica Energy PLC von EY zu BDO sowie Camellia PLC von Deloitte, ebenfalls in Richtung BDO. Grant Thornton legte im zweiten Quartal zahlenmäßig am stärksten zu und rückte im FTSE AIM 100 auf Platz fünf vor, im FTSE AIM UK 50 verdoppelte die Kanzlei ihr Portfolio auf Rang vier gleichauf mit KPMG und RSM UK. AIM-Spezialist PKF Littlejohn baute seinen Vorsprung vor BDO von 12 auf 21 Mandate aus und hält aktuell 90 AIM-Mandate insgesamt. MHA schaffte den Sprung von Platz elf auf neun der Gesamtwertung.
Der Wachstumscharakter des AIM bringt statistisch höhere Ausfallrisiken mit sich als das blue-chip-lastige Hauptsegment. Zugleich haben die stark verteuerten Prüfungshonorare für viele Small- und Mid-Cap-Emittenten die Big-Four-Beauftragung schlicht unerschwinglich gemacht, ein Effekt, der die Verschiebung zusätzlich beschleunigt.




