Deepfake-Betrug: Polizei sprengt albanische Callcenter-Bande

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May 1, 2026
01.05.2026
3 Minuten Lesezeit

Mit gefälschten Videos von Prominenten lockten Kriminelle europaweit Anleger in die Falle. Schaden: über 50 Millionen Euro.

Wenn der Bundespräsident plötzlich Anlagetipps gibt

Es klingt seriös: Ein bekanntes Gesicht aus den Abendnachrichten erklärt im Video, warum eine bestimmte Investition sicher und lukrativ sei. Nur dass das Gesicht gestohlen ist. Betrüger haben mit künstlicher Intelligenz täuschend echte Clips von Staatsoberhäuptern, TV-Moderatoren und Fußballstars gebastelt. Dazu erfanden sie Zeitungsartikel im Layout renommierter Medien und streuten alles über Instagram und Facebook. Wer angebissen hatte, wurde von geschulten Telefonisten kontaktiert. In Tirana betrieb die Bande gleich drei Großraumbüros, vollgestopft mit Computern und Headsets. Mitte April rückten albanische Einsatzkräfte an, koordiniert von der österreichischen Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft. Die Ausbeute: fast 450 Rechner, über 200 Handys, diverse Festplatten und knapp 900.000 Euro in bar. Zehn Verdächtige wanderten in Untersuchungshaft.

Lockruf in fünf Sprachen

Hunderte junge Männer zwischen Mitte zwanzig und vierzig saßen in den Callcentern und telefonierten Europa ab. Monatslohn: 800 Euro, dazu Prämien für jeden Abschluss. Wer sich auf einer der Fake-Plattformen registrierte, wurde prompt zurückgerufen, auf Deutsch, Englisch, Italienisch, Griechisch oder Spanisch. Manche überwiesen nur ein paar hundert Euro, andere verspielten ihre komplette Altersvorsorge.

Abzocke in zwei Akten

Wer Verdacht schöpfte, geriet in die nächste Falle. Plötzlich meldeten sich angebliche Ermittler, Rechtsanwälte oder Finanzaufsichtsbehörden. Sie versprachen, das verlorene Geld zurückzuholen, allerdings nur gegen eine Vorabgebühr in Bitcoin. Wer zahlte, wurde ein zweites Mal geschröpft.

Scham verhindert Anzeigen

Die Ermittler gehen davon aus, dass die tatsächliche Schadenssumme weit über 50 Millionen Euro liegt. Viele Opfer schweigen aus Scham. Reinhard Nosofsky vom österreichischen Bundeskriminalamt appelliert: „Hinter jeder Anzeige steht ein Mensch, der oft sein Erspartes, sein Vertrauen und manchmal ein Stück Lebenssicherheit verloren hat. Diese Täter spielen skrupellos mit Hoffnung, Angst und Scham. Deshalb ist jede Anzeige so wichtig: Sie hilft uns bei den Ermittlungen und schützt andere davor, dass ihnen dasselbe passiert." Allein aus Österreich meldeten sich 150 Geschädigte mit Verlusten von zusammen 26 Millionen Euro. Die Betrüger hatten dort Gesichter wie Bundespräsident Alexander Van der Bellen, ORF-Anchorman Armin Wolf, Fußballer David Alaba oder Ex-Kanzler Karl Nehammer missbraucht. Keiner der Prominenten hat etwas mit der Masche zu tun. 

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