Eine Befragung zeigt: Die meisten Unternehmen scheitern an Datensilos, Excel-Abhängigkeit und Personalnot. Nur eine Minderheit ist für kommende Regulierungen gerüstet.
Es klingt nach den Neunzigern, ist aber Gegenwart. Sechs von zehn Steuerabteilungen wickeln ihr Datenmanagement über Tabellenkalkulationen ab. Die Konsequenzen sind absehbar: Informationen versickern in Silos, Übergaben zwischen Systemen erfordern Handarbeit, Effizienzgewinne bleiben Theorie. Deloitte hat 80 Führungskräfte mit Steuerverantwortung befragt und ein ernüchterndes Bild gezeichnet. Alle reden von Digitalisierung, wenige setzen sie um. Gerade einmal jedes zehnte Unternehmen hat Steuererklärungen oder Voranmeldungen weitgehend automatisiert. Der Rest bastelt an Teillösungen oder wartet ab. Kristiina Coenen, Steuerpartnerin bei Deloitte, sieht das Problem nicht im fehlenden Willen. Die Budgets seien knapp, die IT-Landschaften zersplittert.
Weniger als die Hälfte der Befragten kann jederzeit auf alle steuerrelevanten Informationen zugreifen. Eine zentrale Datenquelle bleibt Wunschdenken. Viele Unternehmen stecken in SAP-Migrationen, übertragen dabei aber alte Strukturen. Die Altlasten wandern mit. Pillar Two, ViDA, neue Meldepflichten: Die Anforderungen steigen, die Vorbereitungszeit schrumpft. Sieben von zehn Steuerverantwortlichen nennen regulatorische Anpassungen als größte Baustelle. Jeder dritte hält die eigene Abteilung für unzureichend vorbereitet.
Fast die Hälfte der Abteilungen ist unterbesetzt. Die Lücken füllen externe Dienstleister, strategische Projekte bleiben liegen. Gleichzeitig verschieben sich die Anforderungsprofile. Künftig zählen Innovationsgeist, Teamfähigkeit und Kommunikationsstärke mehr als reines Fachwissen. Coenen fordert einen Perspektivwechsel. Neue Tools allein lösten nichts. Erst wenn Datenarchitektur, Prozesse und Organisation gemeinsam neu gedacht würden, könne die Steuerfunktion vom Verwalter zum strategischen Partner aufsteigen.




