IAB-Forscherin Anja Warning sieht massive Umbrüche in der Arbeitswelt. Gewerkschaften sollten den Wandel mitgestalten statt blockieren.
Die große Entlassungswelle ist ausgeblieben. Warning beobachtet seit 2014, wie künstliche Intelligenz die Arbeitswelt verändert. Ihr Fazit: Berufe verschwinden nicht, sie verwandeln sich. Was Algorithmen übernehmen können, übernehmen sie. Was bleibt, sind andere Aufgaben und höhere Anforderungen an Flexibilität und Selbstorganisation.
Bestimmte Berufsfelder trifft der Wandel härter. Büroorganisation, Sachbearbeitung, Rechnungswesen, Steuerberatung: überall dort, wo standardisierte Analysen zum Alltag gehören, arbeitet KI schneller und präziser. In diesen Bereichen sind überproportional viele Frauen beschäftigt. Warning mahnt: „Darauf müssen wir als Gesellschaft unbedingt ein Auge haben." Die Flexibilitätsanforderungen steigen, doch zu Hause bleibt die Familienorganisation oft an denselben Personen hängen.
Ein Paradox zeichnet sich ab. Hochschulabsolventen bringen KI-Wissen mit, kennen aber die Eigenheiten ihres Unternehmens nicht. Genau dieses Erfahrungswissen braucht es, um Ergebnisse von KI-Systemen richtig einzuordnen. Warning sieht eine mögliche Renaissance der Älteren.
Die Forscherin nimmt kein Blatt vor den Mund. „Es wäre aus meiner Sicht volkswirtschaftlich fahrlässig, die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz nicht zu nutzen." Gewerkschaften sollten den Wandel offen mitgestalten. Nur wettbewerbsfähige Unternehmen könnten Beschäftigung sichern.




