Gallup-Studie: 77 Prozent der Beschäftigten arbeiten im Energiesparmodus

blog main image
March 17, 2026
19.03.2026
2 Minuten Lesezeit

Der Engagement Index 2026 dokumentiert alarmierende Zahlen: Nur 10 Prozent der Arbeitnehmer zeige neine  hohe emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber. Die volkswirtschaftlichen Kosten der inneren Kündigung liegen zwischen 119 und 142 Milliarden Euro jährlich.

Dienst nach Vorschrift kostet Milliarden

In deutschen Büros und Produktionsstätten dominiert weiterhin der reine Dienst nach Vorschrift mit erheblichen volkswirtschaftlichen Folgen. Der jährlich erscheinende Gallup Engagement Index, für den zwischen dem 18. November und 20. Dezember 2025 insgesamt 1.700 zufällig ausgewählte Beschäftigte ab 18 Jahren telefonisch interviewt wurden, belegt dies mit eindrucksvollen Zahlen. Die Gruppe der sogenannten inneren Kündiger habe 2025 volkswirtschaftliche Produktivitätseinbußen zwischen 119,2 Milliarden und 142,3 Milliarden Euro verursacht, wie aus einer Berechnung des Instituts Gallup hervorgeht. Die Kernbotschaft der Untersuchung lautet: "Die große Mehrheit der Beschäftigten ist emotional nur gering an ihren Arbeitgeber gebunden und erfüllt ihre Aufgaben pflichtgemäß, ohne sich darüber hinaus einzubringen." Die konkreten Zahlen verdeutlichen das Ausmaß: 77 Prozent der Beschäftigten in Deutschland weisen eine schwache emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber auf. Als hochgebunden und damit bereit, täglich einen Schritt mehr zu gehen, zeigen sich lediglich 10 Prozent.

Führungsproblem statt Einstellungsfrage

Die Gallup-Experten geben für diese Entwicklung allerdings weniger den Mitarbeitenden selbst die Verantwortung, sondern sehen die jeweilige Unternehmensführung in der Pflicht. "Geringe emotionale Bindung ist kein Einstellungs-, sondern ein Führungsproblem", erklärte Studienleiter Marco Nink deutlich. Er betonte, dass hier erhebliches Potenzial ungenutzt bleibe. Emotionale Mitarbeiterbindung sei kein Nice-to-have, sondern ein harter Wettbewerbsfaktor. Sie erhöhe die Produktivität und senke Kosten, indem sie Fehlzeiten und Fluktuation reduziere. "Viel zu viele Beschäftigte in Deutschland arbeiten jedoch im Energiesparmodus, trotz des insgesamt positiven Urteils über ihre Arbeitsbedingungen", kritisierte Nink. Die emotionale Bindung wirke sich auch messbar auf den Krankenstand aus: Die Gruppe derjenigen, die sich innerlich bereits verabschiedet haben, komme 2025 auf 9,7 Krankheitstage. Diejenigen mit hoher Bindung bringen es nur auf 5,6 Tage.

Wunsch nach Stabilität trotz geringer Bindung

Trotz der geringen Bindung zum Arbeitgeber dokumentiert die Studie einen bemerkenswerten Wunsch nach Stabilität. Beschäftigte wollen wieder länger bei ihrem Unternehmen bleiben. Nachdem im vergangenen Jahr nur die Hälfte der Befragten auch ein Jahr später noch bei ihrem Arbeitgeber tätig sein wollte, ist dieser Anteil auf 56 Prozent gestiegen. Dennoch bleibt die Bereitschaft, weiter beim derzeitigen Unternehmen zu arbeiten, deutlich unter dem Niveau der Vor-Corona-Zeit,  2018 hatte sie noch bei 78 Prozent gelegen. Diese Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach Stabilität und der tatsächlich geringen emotionalen Bindung verdeutlicht das Dilemma vieler Arbeitnehmer: Sie suchen Sicherheit in unsicheren Zeiten, finden aber keine ausreichende emotionale Verankerung in ihrem aktuellen Arbeitsumfeld. Der Engagement Index wird von Gallup seit 2001 jährlich erstellt und gilt als repräsentativ für die deutsche Arbeitnehmerschaft.