Die Digitaloffensive der CFOs kollidiert mit einer stillen Krise: Isolation zerfrisst die Teamproduktivität von innen.
Der Digitalisierungsdrang in den Finanzabteilungen kennt kaum Grenzen. Aktuelle Deloitte-Daten, ausgewertet von der Edinburgh Chamber of Commerce, zeichnen ein einheitliches Bild: 96 Prozent der befragten CFOs wollen ihre Technologiebudgets aufstocken. Die Erwartungshaltung ist entsprechend hoch. Fast sechs von zehn Finanzchefs prognostizieren messbare Leistungssteigerungen durch Künstliche Intelligenz noch in diesem Jahr. Richard Houston, Senior-Partner bei Deloitte, sieht die Entwicklung bestätigt: „Die Technologie war 2025 ein wesentlicher Treiber des BIP-Wachstums."
Was die Quartalszahlen nicht abbilden: In den Belegschaften wächst die Isolation. Die Cigna Group hat das Phänomen quantifiziert. Jeder zweite Beschäftigte fühlt sich im Arbeitsalltag allein. Wer isoliert arbeitet, ist häufiger mental abwesend, meldet sich öfter krank und wechselt schneller den Arbeitgeber. Brisant: Ein begleitender Moo-Bericht legt nahe, dass gerade der verstärkte KI-Einsatz diese Entwicklung beschleunigt. Doch die Cigna-Erhebung liefert auch einen Ansatzpunkt. Beschäftigte, die sich von Vorgesetzten wahrgenommen fühlen, zeigen trotz Einsamkeitsgefühlen eine signifikant höhere Leistungsbereitschaft.
McLean & Co. rückt einen oft unterschätzten Faktor in den Fokus: das Gefühl, dazuzugehören. Für Führungskräfte bedeutet das ein Umdenken. Wer Aufgaben nur noch digital verteilt, ohne persönlichen Kontext zu liefern, riskiert die emotionale Abkopplung ganzer Teams. Die Frage, welche Tätigkeiten Algorithmen übernehmen können und wo menschliche Präsenz unverzichtbar bleibt, wird zur strategischen Kernkompetenz.
Die zeitgleichen Veröffentlichungen von Deloitte und Cigna markieren eine Zäsur. Was lange als weiches Thema galt, rückt ins Zentrum der Unternehmenssteuerung. Analysten erwarten, dass Vorstände künftig neben klassischen Produktivitätskennzahlen auch Resilienz und Bindung ihrer Teams messen und reporten werden. Die nächste Evolutionsstufe der Arbeitswelt verlangt mehr als technologische Aufrüstung.




