Der Mythos bröckelt: Warum Ausbildung plötzlich krisenfester ist als ein Studium

blog main image
January 14, 2026
14.01.2026
2 Minuten Lesezeit

Akademikerarbeitslosigkeit steigt um 49 Prozent in fünf Jahren, Fachkräfte mit Berufsabschluss bleiben gefragt. Wer hätte das vor zehn Jahren gedacht? Der Meisterbrief schlägt den Master.

Paradigmenwechsel am Arbeitsmarkt

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln liefert die Zahlen zum Umdenken. Alexander Burstedde, Chiara Döring und Dirk Werner haben die Beschäftigungsentwicklung seit 2019 ausgewertet. Ihr Befund: Bei Fachkräften mit Berufsausbildung sank die Arbeitslosigkeit um 3,8 Prozent. Bei Hochqualifizierten stieg sie um 49 Prozent. Selbst Corona und der Ukraine-Krieg konnten den Trend nicht umkehren.

290.000 Akademiker ohne Stelle

Die Bundesagentur für Arbeit dokumentiert den höchsten Stand seit einem Jahrzehnt. 2024 waren durchschnittlich 290.000 Personen mit Hochschulabschluss erwerbslos. Der Anstieg gegenüber dem Vorjahr: 47.000 Personen oder 19 Prozent. Die allgemeine Arbeitslosigkeit wuchs im selben Zeitraum nur um sieben Prozent.

Auch die IT verliert ihren Schutzschild

Ein Informatikstudium galt lange als Jobgarantie. Diese Gewissheit erodiert. Im November 2025 suchten 9600 Software-Entwickler eine Stelle, ein Drittel mehr als im Vorjahr. Naturwissenschaftler erreichen eine Quote von 8,3 Prozent, Ingenieure im technischen Vertrieb sogar 8,4 Prozent. Einzig Gesundheitswesen und öffentlicher Dienst bieten noch relative Stabilität.

Wen Unternehmen wirklich suchen

Das Ifo-Institut und Randstad befragten 500 Personalverantwortliche nach ihren Prioritäten. 77 Prozent melden dringenden Bedarf an Fachkräften mit Berufsausbildung. Meister und Fachwirte folgen mit 58 Prozent. Hochschulabsolventen? Erst an vierter Stelle mit 47 Prozent.

Was daraus folgt

Der demografische Wandel verschärft den Engpass bei beruflich Qualifizierten zusätzlich. Viele Fachkräfte mit Ausbildung gehen in Rente, zu wenige rücken nach. Die IW-Experten plädieren deshalb für eine gezieltere Ansprache junger Menschen für Ausbildungsberufe, auch an Gymnasien. Die Studienanfängerzahlen steigen derweil weiter. Ein Missverhältnis, das sich rächen dürfte.