Eine EY-Analyse zeigt, dass die 100 umsatzstärksten börsennotierten Unternehmen 2025 einen Gewinnrückgang von 15 Prozent hinnehmen mussten.
Die Automobilindustrie verzeichnete einen Gewinneinbruch von 46 Prozent, obwohl Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW weiterhin das Umsatzranking anführen. Noch härter traf es die Chemieunternehmen mit einem Rückgang von 71 Prozent. „2025 war ein weiteres Krisenjahr für die deutsche Wirtschaft", sagt Jan Brorhilker, Managing Partner des Geschäftsbereichs Assurance von EY in Deutschland. „Die Konjunktur schwächelt, geopolitische Konflikte und die US-Handelspolitik sorgen für Investitionszurückhaltung und Verunsicherung sowohl bei Unternehmen wie auch bei Privatleuten. Zudem drängen vor allem chinesische Unternehmen zunehmend auf den Weltmarkt und sorgen für zusätzlichen Wettbewerbs- und Kostendruck. Gerade die stark exportorientierten deutschen Industrieunternehmen hatten es im Jahr 2025 nicht leicht."
IT-Unternehmen verdoppelten ihre Gewinne nahezu, der Gesundheitssektor legte um 40 Prozent zu. Die Deutsche Telekom erwirtschaftete mit 19,4 Milliarden Euro den höchsten operativen Gewinn. Siemens, BMW und SAP folgen. „Der Finanzbranche geht es relativ gut, Technologieunternehmen ebenfalls, die Rüstungsbranche boomt. Viele deutsche Top-Unternehmen haben zudem in den vergangenen Jahren ihr Geschäftsmodell transformiert, sich grundlegend neu aufgestellt und sich teils auch neuen Märkten zugewandt. Unterm Strich bleibt der hohe Internationalisierungsgrad vieler deutscher Konzerne eine große Stärke der deutschen Wirtschaft", betont Brorhilker.
Die durchschnittliche Gewinnmarge fiel von 7,8 auf 6,6 Prozent. An der Spitze steht Springer Nature mit 28,6 Prozent, gefolgt von SAP (26,8 Prozent) und Fraport (22,7 Prozent). „Viele Unternehmen haben zwar ambitionierte Kostensenkungsprogramme aufgesetzt, um den anhaltenden Margenverfall aufzuhalten. Solche Maßnahmen wirken aber oft erst zeitversetzt. Zumindest bislang haben es die deutschen Konzerne insgesamt nicht geschafft, das Ruder herumzureißen und ihre Profitabilität zu steigern", sagt Brorhilker.
Seit 2023 gingen rund 100.000 Stellen verloren. Volkswagen bleibt mit 633.000 Beschäftigten größter Arbeitgeber, vor DHL Group und Siemens. „Von der deutschen Autoindustrie gab es im Jahr 2025 vor allem schlechte Nachrichten. Aber die strategische Neuausrichtung und starke neue Modelle auch und gerade im Elektrosegment bieten durchaus Chancen, dass das Tal der Tränen bald durchschritten sein wird und die Anpassung an die neuen Realitäten gelingen kann. Zum Wachstumsmotor wird die deutsche Industrie allerdings wohl auch im kommenden Jahr nicht. Diese Rolle kommt weiterhin anderen Branchen wie dem Technologiesektor zu. Eine Beruhigung der geopolitischen Lage, verbunden mit dem Investitionspaket der Bundesregierung könnte aber eine konjunkturelle Trendwende einleiten, von der viele Branchen profitieren dürften", so Brorhilker.




