Eine neue Welle von Startups verkauft digitale Disziplin, doch aus Investorsicht entscheidet weniger die Mission als die Frage, ob sich Verzicht skalierbar monetarisieren lässt.
Brick und Forest setzen nicht auf mehr Nutzung, sondern auf bewusst gesetzte Grenzen. Brick macht den Rückweg in blockierte Apps umständlich, weil Nutzer ihr Smartphone an ein separates Gerät halten müssen, genau dieser zusätzliche Schritt soll das automatische Öffnen unterbrechen. Forest arbeitet mit einem einfachen Anreizsystem, wer 25 Minuten nicht scrollt, lässt einen virtuellen Baum wachsen, wer nachgibt, sieht den Fortschritt scheitern. Die Nachfrage ist da, doch der Status quo ist stark: Laut einer aktuellen Umfrage des Pew Research Center nutzen etwas mehr als die Hälfte der Erwachsenen in den USA täglich Facebook und YouTube, 24 Prozent besuchen täglich TikTok.
Light zeigt, warum diese Kategorie schwierig zu finanzieren ist, obwohl sie gesellschaftlich Rückenwind hat. Gründer Kaiwei Tang verkauft ein reduziertes Gerät, das Notizen und GPS priorisiert und bewusst auf E-Mail und Instagram verzichtet, die zentrale Hürde liegt in der Überzeugungsarbeit: „Ich mache das seit zehn Jahren, und ich denke, das ist unsere wichtigste Aufgabe“, sagte Tang. Auch Investoren betonen den Designansatz: „Es war eine bewusste Designentscheidung, das Produkt nicht süchtig machend zu gestalten. Es wird etwas schwierig zu bedienen sein, aber auf eine gute Art und Weise“, sagte Judd Morgenstern, ein früher Investor von Light und Partner bei Partners Resolute und Autopilot. Gleichzeitig bleibt die Ticketgröße ein Signal, „Ich habe keinen großen Risikokapitalgeber wie Sequoia, der 10 Millionen Dollar investiert“, sagte Tang, auch wenn Michael Mignano von Lightspeed persönlich investierte.
Am klarsten wird das Modell dort, wo Nutzenversprechen und Käuferseite zusammenpassen: Bei Eltern, Schulen und Jugendlichen. In einer Umfrage des Pew Research Center aus dem Jahr 2025 gaben 45 Prozent an, zu viel Zeit in sozialen Medien zu verbringen. Tin Can trifft diesen Punkt mit einem Festnetztelefon Ansatz und nahm kürzlich 12 Millionen Dollar in einer von Greylock Partners angeführten Finanzierungsrunde ein, Opal erhielt Kapital von Adjacent und Speedinvest und berichtet, dass siebzig Prozent der Nutzer Schüler und Studenten sind. Für den Markt ergibt sich damit eine nüchterne Logik: Disziplinprodukte überzeugen nicht über Moral, sondern über Vertrieb, klare Budgets und Produkte, die ohne permanente Willenskraft funktionieren.




