Eine Studie des DIW Berlin im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt: Die Abschaffung der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren würde die Staatskasse pro Rentnerjahrgang um netto 9,5 Milliarden Euro entlasten und dem Arbeitsmarkt 125.000 Vollzeitkräfte erhalten.
Jedes Jahr nehmen rund 250.000 bis 280.000 Erwerbstätige die sogenannte Rente mit 63 neu in Anspruch, die nach mindestens 45 Beitragsjahren einen abschlagsfreien Renteneintritt 24 Monate vor dem Regelrentenalter erlaubt. Aktuell entspricht sie faktisch einer Rente mit 64 Jahren und vier Monaten. Sie macht rund 30 Prozent aller neuen Renten aus und etwa ein Fünftel der Gesamtausgaben der Gesetzlichen Rentenversicherung. Eine Modellrechnung für den Jahrgang 1957 zeigt: Würde die Option gestrichen, verschöben Betroffene ihren Renteneintritt im Schnitt um zehn Monate. Die Bruttoeinsparung läge bei 10,4 Milliarden Euro, nach Abzug von Mindereinnahmen bei Kranken-, Pflege- und Einkommensteuer sowie höheren Ausgaben bei der Arbeitslosenversicherung von zusammen rund 910 Millionen Euro bliebe eine Nettoeinsparung von 9,5 Milliarden Euro. Derselbe Effekt würde für die Folgejahrgänge eintreten.
Durch den aufgeschobenen Renteneintritt stünde dem Arbeitsmarkt ein zusätzliches Beschäftigungspotenzial von rund 125.000 Vollzeitkräften zur Verfügung. Arbeitsmarktexperte Eric Thode von der Bertelsmann Stiftung betont, dass der eigentliche Mehrwert nicht in der Haushaltsentlastung liege, sondern darin, erfahrene, gut qualifizierte Beschäftigte einige Monate oder Jahre länger im Job zu halten. Die Rente mit 63 wird häufig als Instrument für körperlich belastete Arbeitnehmer verstanden. Der Blick auf die Berufskarrieren ergibt jedoch ein anderes Bild: Anspruchsberechtigt sind vor allem Personen mit langen und stabilen Erwerbsbiografien und überdurchschnittlichen Rentenansprüchen. Ein Viertel von ihnen ist im Rentenbezug noch weiter erwerbstätig. Eine pauschale Abschaffung ohne Ausnahmeregelungen würde jedoch Personen mit eingeschränkter Erwerbsfähigkeit hart treffen. Als Lösungsansätze diskutiert die Studie eine Einkommensgrenze von 60 Prozent des Durchschnittseinkommens als Zugangskriterium sowie einen Ausbau der Grundrente als Kompensation.




