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January 28, 2026
29.01.2026
2 Minuten Lesezeit

Die Fälle Claire’s UK und The Original Factory Shop zeigen, wie dünn die Fehlermarge im stationären High Street Retail geworden ist und warum Investoren selektiver agieren.

Claire’s und TOFS als Warnsignal

Der Zusammenbruch der UK-Aktivitäten von Claire’s und The Original Factory Shop, nur wenige Monate nach der Übernahme durch Modella Capital, rückt die angespannte Beziehung zwischen Private Equity und europäischem Einzelhandel erneut in den Fokus. 2.550 Jobs sind gefährdet, beide Ketten stehen vor der Administration. „Es gibt das Risiko und dann die Wahrnehmung des Risikos, und solche Ausfälle lassen den Sektor unattraktiver erscheinen“, sagte Arvid Trolle, Partner bei der europäischen Special Situations Gesellschaft Njord Partners, und ergänzte, dass Private Equity bei Retail Investitionen vorsichtiger agiere.

Warum PE im Handel neu denken muss

PitchBook Daten zeigen, dass das PE-Interesse an europäischem Retail nach dem Peak 2021 wieder auf vor 2021 Niveau liegt. 2025 war besonders schwach: Transaktionsvolumina fielen auf ein Jahrzehnttief, der Deal Value auf einen Fünfjahrestiefpunkt. Hinter den Zahlen stehen strukturelle Gegenwinde: „Der stationäre Handel verliert strukturell Marktanteile an andere Kanäle“, sagte Mike Trenouth, Managing Director und Co Head der Private Equity Practice von Alvarez & Marsal. „Lohninflation ist hoch, Mieten steigen, es gibt erheblichen Gegenwind.“ Damit schrumpft die übliche Fehlermarge, zumal Restrukturierungsmaßnahmen häufiger auf kleinere, weniger differenzierte oder bereits weiter degradierte Assets treffen.

Wo Investoren noch Rendite sehen

Der Markt dürfte sich weiter zweigeteilt entwickeln: Auf der einen Seite stehen Restrukturierungsinvestor:innen, die höhere Ausfallquoten in Kauf nehmen und mit kürzeren Zeithorizonten arbeiten, während klassische Private Equity Fonds selektiver werden, auch wegen schwacher Exit Märkte und einer spürbaren Zurückhaltung der LPs. Kapital findet dennoch Nischen, etwa Outlet Standorte außerhalb der Innenstädte mit geringeren Mieten und stärkerem Ausflugscharakter oder den Reiseeinzelhandel an Verkehrsknotenpunkten mit umsatzbasierten Mietmodellen. Für klassische Innenstadtketten mit nicht lebensnotwendigen Konsumgütern bleibt der Ausblick angespannt, nicht zuletzt durch Fast Fashion Outlets und Wettbewerber wie Temu und Shein, was die breite Mitte des Marktes in eine länger anhaltende Finanzierungslücke drücken kann.

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