Während Firmengründer Hui Ka Yan zu lebenslanger Haft verurteilt wird, verlagert sich der wirtschaftliche Konflikt rund um den Evergrande-Fall zunehmend auf den ehemaligen Konzernprüfer PwC.
Die Hongkonger Liquidatoren des insolventen Immobilienkonzerns fordern von PricewaterhouseCoopers rund 57 Milliarden Yuan, umgerechnet etwa 8,4 Milliarden US-Dollar. Grundlage sind Vorwürfe der Fahrlässigkeit und fehlerhafter Darstellungen im Rahmen der Konzernprüfung. Zum Vergleich: Diese Forderung erreicht das rund 3,6-Fache der Bußgelder, die ein Shenzhener Gericht am selben Tag gegen die Evergrande Group (8,82 Milliarden Yuan) und die Hauptimmobiliensparte Hengda Real Estate (7 Milliarden Yuan) verhängte. PwC International verweist zur Verteidigung auf die rechtliche Selbstständigkeit ihrer Landesgesellschaften.
Die Netzwerkgesellschaft in Festlandchina ist bereits sanktioniert. Die Aufsichtsbehörden verhängten ein Bußgeld von 441 Millionen Yuan und ordneten eine sechsmonatige Geschäftsuntersagung an. Kern der Beanstandung: PwC habe die überhöhten Finanzausweise Evergrandes nicht ausreichend hinterfragt. Diese Wertung dürfte die zivilrechtliche Position der Liquidatoren im Hongkonger Verfahren zusätzlich stärken.
Der Blick auf die bisherigen Erlöse zeigt, warum die Klage derart schwer wiegt. Bis August 2025 hatten die Liquidatoren Forderungen von rund 45 Milliarden US-Dollar registriert, aber lediglich Vermögenswerte im Umfang von 255 Millionen US-Dollar verwertet. Die von PwC eingeforderte Summe entspricht damit dem etwa 33-Fachen der bislang veräußerten Aktiva. Parallel verfolgen die Liquidatoren rund sechs Milliarden US-Dollar gegenüber Hui, seiner früheren Ehefrau und ehemaligen Führungskräften.




