Nach der Verurteilung wegen mangelhafter Prüfungen beim chinesischen Immobilienriesen behält die Beratungsgesellschaft Gelder ein, die eigentlich an ehemalige Partner fließen sollten. Es geht um Erlöse aus einem Verkauf vor vier Jahren.
Wer als ehemaliger Partner von PwC in Hongkong auf weitere Sonderausschüttungen gewartet hatte, dürfte dieser Tage unangenehme Post bekommen haben. Ein internes Schreiben, das der Financial Times zugespielt wurde, kündigt das vorzeitige Ende dieser Zahlungen an. River Zhang, Finanzchef der chinesischen PwC-Organisation, begründet den Schritt damit, dass die verbleibenden Mittel künftig dem operativen Geschäft und Investitionen zugutekommen sollen. Im Klartext: Was bislang an Pensionäre floss, bleibt jetzt in der Firma.
Hintergrund ist eine Transaktion aus dem Jahr 2022. Damals trennte sich PwC von seinem Bereich für internationale Mitarbeiterentsendung. Käufer war der amerikanische Finanzinvestor Clayton Dubilier & Rice, der Verkaufspreis lag bei 2,2 Milliarden Dollar. Den damaligen Partnern in Hongkong hatte das Haus zugesagt, sie an diesem Erlös über fünf Jahre hinweg zu beteiligen. Pro Person kamen dabei teils sechsstellige Beträge zusammen.
Der Hintergrund für die plötzliche Sparmaßnahme liegt offen vor aller Augen. Erst vor wenigen Wochen hatte sich PwC dazu bereit erklärt, im Zusammenhang mit den Prüfungen für den kollabierten Immobilienkonzern Evergrande rund 1,3 Milliarden Hongkong-Dollar an Strafen und Entschädigungen zu zahlen. Die Wertpapieraufsicht hatte dem Haus vorgeworfen, bei den Prüfungen der Geschäftsjahre 2019 und 2020 die Manipulationen des Schuldners aktiv hingenommen zu haben.
Mit der Strafe ist das Kapitel nicht abgeschlossen. Auf dem chinesischen Festland hat PwC bereits mehrere prominente Mandate verloren. Zudem ziehen die Liquidatoren der Konzernmutter von Evergrande vor Gericht, um weitere Summen für geschädigte Anleger zurückzuholen. PwC selbst kommentiert die internen Vorgänge nicht.




