Eine frühere Mitarbeiterin klagt gegen das Beratungshaus. Sie habe nach einer Belästigungsbeschwerde Ausgrenzung erfahren und sei von einer internen Kulturuntersuchung ferngehalten worden.
Eine Frau, die Ende 2022 als Praktikantin bei EY Australien anfing, hat den Konzern vor dem Bundesgericht verklagt. Ihr Vorwurf: Das Unternehmen habe sie systematisch benachteiligt, nachdem sie sexuelle Übergriffe durch einen Vorgesetzten gemeldet hatte. Der Manager soll sich wiederholt auffällig nah neben sie gesetzt, sie bei einem Firmenevent unsittlich berührt und vor der Damentoilette auf sie gewartet haben.
Anfangs schilderte die Praktikantin ihre Erlebnisse in einer anonymen Befragung des Nachwuchsprogramms. Im März 2023 folgte eine offizielle Meldung. Danach sei alles anders geworden. Kollegen, die zuvor freundlich waren, gingen ihr aus dem Weg. Vorgesetzte legten ihr nahe, die Angelegenheit abzuhaken. Sie bekam weniger Aufgaben zugeteilt und wurde ermahnt, ihre Stundenquote nicht zu erfüllen.
Im Frühjahr 2023 ließ EY die Unternehmenskultur von der früheren Gleichstellungsbeauftragten Elizabeth Broderick untersuchen. Die Praktikantin behauptet, man habe sie daran gehindert, teilzunehmen. EY bestreitet das. Alle Beschäftigten seien eingeladen gewesen, die Teilnehmerzahl jedoch begrenzt. Als die Stichprobe erreicht war, habe man die Umfrage geschlossen.
Die Praktikantin verließ EY im Juni 2023. Der beschuldigte Manager ist ebenfalls nicht mehr im Unternehmen. Ein Sprecher erklärte, zu laufenden Verfahren könne man sich nicht äußern. In der Verteidigungsschrift weist EY jede Schikane zurück und betont, die Frau zur Meldung ermutigt zu haben.
Der Fall reiht sich in ein beunruhigendes Muster. Brodericks Bericht von 2023 offenbarte weitverbreitetes Mobbing und sexuelle Belästigung bei EY Oceania. Jeder zehnte Beschäftigte gab an, in den vergangenen fünf Jahren Übergriffe erlebt zu haben. Frauen traf es deutlich häufiger. Australien-Chef David Larocca entschuldigte sich damals öffentlich. Anstoß für die Untersuchung war der Tod einer Mitarbeiterin in Sydney im September 2022.




