Eine neue Roadmap zeigt, wie öffentliche Verwaltungen den Sprung vom Experiment zum produktiven Einsatz schaffen können.
Die Berater von EY bringen es auf den Punkt: Nur 20 bis 25 Prozent aller KI-Machbarkeitsnachweise in Behörden erreichen jemals den Regelbetrieb. Der Rest versandet. Die Ursachen sind immer dieselben: technische Kapazitäten werden überschätzt, Kosten unterschätzt, Altsysteme blockieren die Integration. Eine Befragung unter 492 Verwaltungsvertretern in 14 Ländern bestätigt dieses Muster. Über 60 Prozent nennen Datenschutz- und Sicherheitsbedenken als größte Hürde.
EY hat aus globalen Projekterfahrungen eine Roadmap entwickelt, die Behörden durch den Transformationsprozess führt.
Erstens: Ergebnisse vor Technologie. Erfolgreiche Organisationen fragen nicht, wo sie KI einsetzen können, sondern welchen konkreten Nutzen sie erzielen wollen. Der US-Bundesstaat Maryland bewertet beispielsweise jeden Anwendungsfall anhand von zehn politischen Prioritäten des Gouverneurs.
Zweitens: Infrastruktur und Governance prüfen. 45 Prozent der Befragten scheitern an unzureichenden Datensystemen. Estland zeigt mit seiner dezentralen Plattform Bürokratt, wie Datenschutz und Interoperabilität zusammengehen können.
Drittens: Pilotprojekte richtig aufsetzen. Realistische Kostenschätzungen sind entscheidend. EY warnt: Organisationen unterschätzen die Skalierungskosten typischerweise um das Fünf- bis Zehnfache. Der estnische Chief Data Officer Ott Velsberg formuliert es knapp: Innovative Ideen allein reichen nicht, die Zahlen müssen stimmen.
Viertens: Menschen mitnehmen. 31 Prozent der Organisationen kämpfen mit Sorgen der Beschäftigten um ihre Arbeitsplätze. Die erfolgreichsten Strategien setzen auf Partnerschaft statt Ersetzung und binden Mitarbeitende früh in die Entwicklung ein.
Fünftens: Wirkung messen und Wissen teilen. Das australische Innenministerium überwacht KI-Initiativen in Echtzeit und passt den Kurs auf Basis aktueller Daten an. Behördenübergreifende Praxisgruppen verhindern, dass jede Organisation das Rad neu erfindet.
EY mahnt zur Eile. Das Zeitfenster für strategisches Handeln wird enger. Behörden, die jetzt zögern, riskieren steigende Kosten, verpasste Produktivitätsgewinne und wachsende Lücken zu den Erwartungen der Bürger.




