KI programmiert Milliardenwerte

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January 30, 2026
30.01.2026
2 Minuten Lesezeit

Eine Analyse des Complexity Science Hub Wien zeigt, wie stark generative KI die Softwareentwicklung verändert hat und warum ausgerechnet Berufseinsteiger kaum davon profitieren.

Jede dritte Zeile stammt von Maschinen

Vor drei Jahren war es noch die Ausnahme, heute ist es Alltag. In der amerikanischen Softwarebranche generieren Werkzeuge wie ChatGPT oder GitHub Copilot inzwischen 29 Prozent des Python-Codes. Das entspricht nahezu einer Verdreifachung gegenüber 2022, als der Anteil bei etwa fünf Prozent lag. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Complexity Science Hub in Wien gemeinsam mit der Universität Utrecht, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Science.

Transatlantisches Gefälle

Die Bereitschaft, KI-generierte Codebausteine zu verwenden, variiert weltweit erheblich. Während die USA mit 29 Prozent führen, erreicht Frankreich 24 Prozent und Deutschland 23 Prozent. Indien folgt mit 20 Prozent. Auffällig zurückhaltend zeigen sich Russland und China mit 15 beziehungsweise 12 Prozent. Für ihre Analyse entwickelten die Forscher ein spezialisiertes Modell, das mehr als 30 Millionen Codeblöcke von rund 160.000 Entwicklern auf GitHub untersuchte.

Das Erfahrungsparadox

Ein überraschendes Muster durchzieht die Daten. Programmierer mit wenig Berufserfahrung setzen in 37 Prozent ihrer Arbeit auf generative KI. Ihre erfahrenen Kollegen tun dies nur in 27 Prozent der Fälle. Dennoch lassen sich messbare Produktivitätsgewinne ausschließlich bei der zweiten Gruppe nachweisen. Berufsanfänger scheinen trotz intensiver Nutzung keinen Vorteil zu erzielen. Die Forscher vermuten, dass erfahrene Entwickler die Werkzeuge gezielter einsetzen und ihre Ergebnisse besser bewerten können. Zwischen Männern und Frauen zeigten sich hingegen keine Unterschiede.

Wertschöpfung in Milliardenhöhe

Der gesamtwirtschaftliche Effekt summiert sich beträchtlich. Die Studie beziffert den Produktivitätszuwachs auf 3,6 Prozent bis Ende 2024. Angesichts jährlicher Investitionen von bis zu einer Billion Dollar in Programmieraufgaben allein in den USA ergibt das einen zusätzlichen Wert zwischen 23 und 38 Milliarden Dollar pro Jahr. Die Autoren weisen darauf hin, dass diese Hochrechnung auf Python-Daten basiert und entsprechend vorsichtig interpretiert werden sollte.