Trotz Wirtschaftsflaute erreicht die Umzugsbereitschaft deutscher Arbeitnehmer Höchstwerte, während sich die Attraktivität der Bundesländer dramatisch verschiebt und Homeoffice zum entscheidenden Bindungsfaktor wird.
Die Bereitschaft zum berufsbedingten Standortwechsel verharrt bei 44 Prozent und erreicht damit erneut den Spitzenwert aus 2023. Die EY-Jobstudie mit über 1.555 Befragten dokumentiert einen fundamentalen Wandel: Während 2017 nur 22 Prozent der Beschäftigten für eine neue Position den Wohnort wechseln würden, hat sich dieser Anteil seither verdoppelt. Männliche Arbeitnehmer zeigen mit 52 Prozent deutlich höhere Mobilitätsneigung als ihre weiblichen Kolleginnen mit 36 Prozent. Berufseinsteiger führen mit 62 Prozent, verzeichnen jedoch einen Rückgang von elf Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Parallel suchen 25 Prozent aktiv nach neuen Stellen, weitere 33 Prozent signalisieren Offenheit für Angebote.
Telekommunikation, Maschinen- und Anlagenbau sowie Banken- und Versicherungswesen verzeichnen mit jeweils 55 Prozent die höchste Umzugsbereitschaft. Im Kontrast dazu stehen die Gesundheitsbranche mit 35 Prozent und die Automobilindustrie mit 38 Prozent. Letztere erlebte einen dramatischen Absturz von 54 Prozent im Vorjahr.
Jan-Rainer Hinz, Mitglied der Geschäftsführung und Managing Partner Talent & Culture Germany bei EY, erklärt: „Berufliche Mobilität bleibt für die Beschäftigten ein wichtiger Hebel für Karrierechancen – und die Menschen hierzulande sind dazu bereit wie nie. Und dass trotz der weltweit angespannten wirtschaftlichen Lage und der daraus resultierenden herausfordernde Arbeitsmarktsituation. Dies spricht für das Selbstbewusstsein der Beschäftigten und zeugt von Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten."
Bayern behauptet seine Spitzenposition mit 34 Prozent als präferiertes Zielland. Hamburg steigert sich auf 27 Prozent, Baden-Württemberg auf 24 Prozent. Nordrhein-Westfalen fällt mit 18 Prozent (minus vier Prozentpunkte) aus den Top 3 und rangiert nun gleichauf mit Berlin (18 Prozent, plus zwei Prozentpunkte). Branchenspezifisch differenziert sich das Bild: Baden-Württemberg führt bei Gesundheit und Maschinen- und Anlagenbau, Hamburg im Handel. Bayern dominiert besonders in der Automobilindustrie, wo 60 Prozent den Freistaat als Top-3-Standort nennen, während nur 36 Prozent Baden-Württemberg präferieren.
Hinz kommentiert: „Die anhaltend starke Attraktivität von Bayern und Baden-Württemberg zeigt, wie bedeutend eine starke industrielle Basis nach wie vor ist und welche Rolle sie als Magnet für umzugswillige Talente und Fachkräfte spielt. Stadtstaaten wie Hamburg punkten dagegen mit Diversität und einer dynamischen Dienstleistungs- und Digitalwirtschaft, gerade Berlin zieht durch seine lebendige Start-up-Szene und kulturelle Strahlkraft Talente an."
48 Prozent der Beschäftigten erachten Homeoffice als wichtig, ein Anstieg von sechs Prozentpunkten gegenüber 2023. Dennoch berichten 18 Prozent von arbeitgeberseitigen Einschränkungen, wobei der Öffentliche Dienst mit 21 Prozent leicht über der freien Wirtschaft mit 17 Prozent liegt. Gleichzeitig verneinen 70 Prozent verstärkte Büropräsenzpflichten.
Nicole Dietl, Partnerin Assurance und Talent Leaderin bei EY: „Home Office ist bei vielen Beschäftigten beliebt und steigt in seiner Wichtigkeit – und dass, obwohl man häufig hört, dass Unternehmen wieder mehr Präsenz planen. Unsere Ergebnisse zeigen aber: Die meisten Unternehmen beabsichtigen gar keine neuen Büropflichten. Ein guter Mix des hybriden Arbeitens ist entscheidend und kann die Effizienz sogar steigern."




