Der Pharmaverpacker versinkt im Chaos aus Bilanzfehlern, Behördenprüfungen und Kurssturz. Die DSW bereitet Schadensersatzforderungen vor.
Die Geduld der Aktionäre ist am Ende. Der Schutzverband DSW hat juristische Munition gesammelt und lässt prüfen, ob ehemalige Vorstände und Aufsichtsräte für den Schaden geradestehen müssen. Dietmar Siemssen, bis vor kurzem noch CEO, und Ex-Finanzchef Bernd Metzner stehen im Fokus. Auch Mitglieder des Prüfungsausschusses geraten unter Druck. Marc Tüngler, Chef der DSW, sieht angesichts der ausufernden BaFin-Ermittlungen keine andere Wahl. Eine externe Kanzlei hat aufgedeckt, was schiefgelaufen ist. Bei sogenannten Bill-and-Hold-Vereinbarungen wurden Umsätze verbucht, bevor die Ware das Lager verlassen hatte. Ein klarer Bruch mit den Bilanzierungsregeln nach IFRS. Mittlerweile wühlen zwei Prüfungsgesellschaften in den Zahlen der Jahre 2024 und 2025. Die Finanzaufsicht behält sich vor, auch die Wirtschaftsprüferaufsicht einzuschalten.
Das neue Management greift durch. Die profitable US-Tochter Centor steht zum Verkauf, Morgan Stanley sucht Käufer. Das Glaswerk in Chicago Heights macht Ende 2026 dicht, die Fertigung wandert nach Europa und Asien. Abschreibungen zwischen 220 und 240 Millionen Euro drücken auf das Ergebnis. Von fast 100 Euro vor der ersten Gewinnwarnung auf gut 17 Euro heute: Die Aktie hat vier Fünftel ihres Werts eingebüßt. Einzelne Investoren wie CastleKnight und Deka nutzen die Schwäche zum Einstieg. Andere setzen auf weitere Verluste und bauen Short-Positionen auf.
Bis Juni 2026 sollen testierte Zahlen vorliegen und die Kreditlinien gesichert sein. Gelingt das nicht, droht der Rauswurf aus dem SDAX und weiterer Verkaufsdruck durch Indexfonds. Die Prognose für 2026 steht auf wackligen Beinen: 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro Umsatz, knapp 19 Prozent Marge. Ob die Banken mitspielen, ist offen.




