Das Münchner Start-up microagi hat die größte Seed-Finanzierung in der Geschichte deutscher Start-ups eingesammelt. Ein Team früherer Formel-1-Ingenieure will damit Roboter schneller und sicherer in Fabriken integrieren.
Das 2025 gegründete Start-up microagi hat eine Seed-Finanzierung über 55 Millionen US-Dollar abgeschlossen, nach eigenen Angaben die größte Seed-Runde in der Geschichte deutscher Start-ups. Angeführt wird die Runde vom VC-Fonds Hummingbird, mit Beteiligung von Northzone, LocalGlobe, Village Global und redalpine. Das Unternehmen wird operativ aus München gesteuert und ist rechtlich in Aachen registriert, es entwickelt die Daten- und Deployment-Plattform Atlas, die Industrieunternehmen dabei unterstützen soll, Roboter schneller und sicherer in Fabriken zu integrieren. Hinter microagi stehen unter anderem ehemalige Formel-1-Ingenieure von Red Bull Racing und Mercedes-AMG Petronas. CEO Bercan Kilic arbeitete zuvor als Aerodynamik-Ingenieur bei Red Bull Racing, CTO Nico Nussbaum leitet die technische Integration bei den Kunden vor Ort. Neben dem Münchner Hauptsitz betreibt das Unternehmen einen Forschungs-Hub in Zürich sowie Büros in London und New York.
microagi baut weder eigene Roboter noch trainiert das Team eigene Basis-KI-Modelle, sondern positioniert sich als Middleware zwischen Kundeninfrastruktur und fortschrittlichen KI-Modellen. Die Plattform Atlas erfasst Betriebsdaten direkt aus der laufenden Produktion der Kunden und nutzt sie für Simulationen, mit denen KI-Modelle feinjustiert werden, anschließend bringen Vor-Ort-Ingenieure die Roboter zusammen mit Hardware-Partnern wie NVIDIA oder Unitree in die Werkshallen. Für dringend benötigte Trainingsdaten ging das Unternehmen in der Vergangenheit auch umstrittene Wege. Über die App Shift bot es zunächst in den USA kostenlose Wohnungsreinigungen an, bei denen die Reinigungskräfte Helmkameras trugen und die Handgriffe aus der Ich-Perspektive filmten. Das Modell birgt zudem ein Skalierungsrisiko, da Ingenieure physisch bei jedem Kunden vor Ort arbeiten müssen, was eher einem beratungsintensiven Agenturgeschäft ähnelt als einem margenstarken Softwaregeschäft. Der Kontext: Europa installierte 2024 lediglich 85.000 Fabrikroboter, während China im selben Jahr auf 295.000 Installationen kam.




