Die Politik wünscht sich, dass Menschen länger arbeiten, viele Betriebe machen es Älteren aber schon ab Mitte 50 schwer. Ein aktueller Fall der Arbeiterkammer Wien zeigt, wie sich Betroffene dagegen wehren können.
Nachdem eine Wiener Buchhalterin ihren 60. Geburtstag gefeiert hatte, verlor sie in ihrem langjährigen Betrieb Stück für Stück ihre wichtigsten Aufgaben, diese gingen kommentarlos an das jüngere Team. Als sie sich dagegen wehrte, wurde ihr gekündigt. Die Arbeiterkammer unterstützte sie rechtlich dabei, die Kündigung vor dem Arbeits- und Sozialgericht wegen eines verpönten Motivs sowie massiver Sozialwidrigkeit anzufechten. Der Arbeitgeber gab nach: Der Vergleich brachte ihr 15.000 Euro. "Statt wertvolles Know-how und jahrzehntelange Loyalität zu schätzen, drängen Betriebe ältere Beschäftigte oft systematisch an den Rand, um sie kurz vor der Pension loszuwerden", kritisiert Ines Stilling, Leiterin des AK-Sozialbereichs.
Stilling hält Forderungen nach einem höheren Pensionsalter für realitätsfern: Der Gegenwind am Arbeitsmarkt setze für viele Beschäftigte bereits Mitte 50 ein. Die AK fordert deshalb ein Bonus-Malus-System, das Betriebe mit vielen älteren Beschäftigten belohnt und andere bestraft. In der Politik kursieren unterdessen sehr unterschiedliche Ideen: Tirols Landeshauptmann Anton Mattle will Pensionen künftig erst nach 45 Berufsjahren ermöglichen, die Neos wollen das Pensionsalter künftig an die statistische Lebenserwartung anpassen, die SPÖ lehnt eine Anhebung strikt ab und setzt stattdessen auf bessere Arbeitsbedingungen.




