Im Streit um mutmaßlich gefälschte Rechnungen stellt ein Gericht in Singapur den unter Druck geratenen Eisenerzhändler Radiant World unter die Interimsverwaltung von KPMG.
Auf Antrag der lokalen Einheit der japanischen Mizuho Financial Group hat ein Gericht in Singapur den Eisenerzhändler Radiant World unter die vorläufige Verwaltung von KPMG gestellt, wie Bloomberg berichtet. Konkret bestellte das Gericht Restrukturierungsexperten des Hauses zu Interims-Judicial-Managern der zentralen operativen Einheit Radiant World Corporation Pte. Das Unternehmen selbst hatte sich gegen diesen Schritt gewehrt und argumentiert, es sei nicht zahlungsunfähig, weshalb eine gerichtliche Verwaltung weder nötig noch im Interesse der Gläubiger sei. Weder Radiant World noch Mizuho oder KPMG äußerten sich auf Anfrage.
Auslöser der Eskalation sind Zweifel an der Echtheit von Rechnungen, mit denen Radiant World seine Kreditlinien besicherte. Banken und Geschäftspartner gingen zuletzt zunehmend auf Distanz, das Unternehmen bestreitet die Vorwürfe. Im Kern steht ein Kredit über rund 100 Millionen Dollar, den die Mizuho Bank im Juni gewährte und der über Rechnungen abgesichert war, die ein Geschäftspartner später als ungültig bezeichnete. Im August zog die Bank vor den Obersten Gerichtshof Singapurs.
Die juristischen Fronten reichen über Singapur hinaus. Ein mit der US-Bank Jefferies verbundener Fonds erwirkte in Großbritannien, Hongkong und Singapur Vermögenssperren gegen Radiant World und dessen Gründer Pinkesh Nahar. Zudem teilte die Polizei Singapurs bereits im Vormonat mit, dass sie nach entsprechenden Hinweisen Ermittlungen gegen das Unternehmen aufgenommen habe, ohne Details zu nennen. Für KPMG bedeutet das Mandat, mitten in einem international verzweigten Fall mutmaßlichen Betrugs Ordnung in die Verhältnisse eines Händlers zu bringen, dessen Solvenz und Buchhaltung gleichermaßen infrage stehen.




