Der US-Vermögensverwalter Hamilton Lane legt eine 100-seitige Marktstudie vor, die trotz KI-Euphorie ernüchternde Daten liefert: Die Ausschüttungsquote im Private-Equity-Markt liegt auf dem niedrigsten Stand seit 2008.
Die aktuelle Marktstudie von Hamilton Lane zeichnet ein zweigeteiltes Bild: Einerseits ist das verwaltete Vermögen der Private-Markets-Branche auf über zehn Billionen Dollar gestiegen, andererseits fließt das Geld kaum zurück an die Investoren. Die Ausschüttungsquote liegt bei nur 20 Prozent – ein Niveau, das zuletzt während der Finanzkrise 2008/09 erreicht wurde. Zwar war 2025 absolut das zweitbeste Jahr für Ausschüttungen, doch relativ zur gewachsenen Größe der Branche fehlen Hunderte Milliarden Dollar. Besonders kritisch: Die Fondsjahrgänge 2020 bis 2022 machen 40 Prozent des gesamten Nettovermögens aus und sollten eigentlich jetzt liefern.
Hamilton Lane hat einen statistisch belastbaren Zusammenhang zwischen Ausschüttungen nach fünf Jahren und der Endrendite eines Fonds identifiziert, mit einem Korrelationskoeffizienten von 0,52. Die schwachen Rückflüsse der aktuellen Fondsgeneration deuten damit strukturell auf unterdurchschnittliche Endergebnisse hin. Vier Jahre in Folge sinkende Fundraising-Zahlen für geschlossene Fonds verstärken das Bild, auch wenn Hamilton Lane kein Schrumpfen der Branche diagnostiziert, da Co-Investments und geringerer Eigenkapitaleinsatz pro Transaktion die Deal-Aktivität hochhalten. KKR-Co-CEO Joe Bae bringt den Wettbewerbsdruck auf den Punkt: Es gebe inzwischen mehr PE-Fonds in Nordamerika als McDonald's-Filialen.
Trotz der Ausschüttungskrise empfiehlt Hamilton Lane mehr Engagement im Venture-Capital-Bereich, getrieben von der KI-Dynamik: Über 50 Prozent des globalen Venture-Deal-Volumens fließen inzwischen in KI-Unternehmen. Die größten Gewinner wie Databricks, OpenAI oder SpaceX bleiben bewusst länger privat – wer an ihrer Wertsteigerung partizipieren will, braucht VC-Zugang. Eine KI-Blase sieht Hamilton Lane mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit nicht, da die Investitionen von Unternehmen mit starken Bilanzen getragen werden. Gleichzeitig wächst der Rechtfertigungsdruck: Die Magnificent-7-Aktien haben seit 2019 rund 1.200 Prozent zugelegt, der Rest des S&P 500 nur 247 Prozent.




