Bei einer internen Challenge in Hamburg entwickelten 50 Anwältinnen und Anwälte an einem Tag KI-gestützte Verhandlungshelfer und ließen sie in praxisnahen Härtetests gegeneinander antreten.
Was Hogan Lovells Cadwalader an seinem Hamburger Standort veranstaltete, war weniger Fortbildung als Wettbewerb. In einer abgeschotteten IT-Umgebung traten neun Teams an, um innerhalb eines Arbeitstages einsatzfähige KI-Prototypen zu bauen. Unter dem Namen „AI Negotiation Buddies" sollten diese Werkzeuge bei der Vorbereitung kniffliger Verhandlungen unterstützen, verschiedene Verläufe simulieren und die Ergebnisse anschließend geordnet auswerten. Ausgangspunkt waren reale Fälle aus der täglichen Mandatsarbeit.
Die eigentliche Feuerprobe kam in der Bewertungsrunde. Die Entwürfe mussten mit lückenhaften Angaben zurechtkommen, absichtlich gestreute Falschinformationen aushalten und in Situationen bestehen, in denen Verschwiegenheit und anwaltliche Sorgfalt besonders schwer wiegen. Der fünfköpfigen Jury ging es dabei weniger um technische Raffinesse als um konkreten Nutzen, Nachvollziehbarkeit und einen verantwortungsvollen Umgang mit der Technologie. Durchsetzen konnte sich das Team um Jula Koerlings, Friederike Kurzer, Yuri Schramm und Christian Stoll mit einem Assistenten für Verhandlungen über regulatorische Verträge.
Hinter dem Format steckt mehr als ein einmaliges Experiment. Die Kanzlei stellt nach eigenen Angaben rund fünf Prozent ihres Jahresumsatzes für Innovationsprojekte bereit und entwickelt seit fünf Jahren mit Eltemate eine der größten Legal-Tech-Plattformen, die eine Wirtschaftskanzlei selbst betreibt. Die im Wettbewerb entstandenen Ansätze sollen zwar nicht unmittelbar dorthin überführt werden, brauchbare Erkenntnisse will man jedoch in die Weiterentwicklung einfließen lassen. Bemerkenswert ist die These von Managing Partner Detlef Haß: Gerade der kluge Einsatz von KI werde die persönliche Beratung noch wichtiger machen.




