Der Iran-Krieg verschärft eine Krise, die sich in der deutschen Chemieindustrie seit Jahren aufgebaut hat. Ifo-Expertin Anna Wolf warnt: Für viele Unternehmen geht es um die Existenz.
Die deutsche Chemieindustrie steckte schon vor Ausbruch des Iran-Kriegs in einer tiefen Strukturkrise. Hohe Energiekosten hatten die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Branche in den vergangenen Jahren erheblich erodiert, parallel dazu blieb die globale Nachfrage schwach. Ifo-Expertin Anna Wolf teilt die Einschätzung von BASF-Chef Markus Kamieth, der die Lage als schwierigste seit 25 Jahren beschrieben hatte: „Für viele Chemieunternehmen geht es jetzt um die Existenz.“
Die Blockade der Straße von Hormus trifft die Branche auf mehreren Ebenen gleichzeitig: Erdöl und Gas, beides unverzichtbare Roh- und Energiestoffträger, verteuern und verknappen sich. Hinzu kommen steigende Transportkosten und Planungsunsicherheiten auf den globalen Handelsrouten.
Die Chemiebranche steht am Anfang zahlreicher Wertschöpfungsketten. Ihre Vorprodukte finden sich in Baustoffen, Düngemitteln, Reinigungsmitteln, Pharmazeutika und Lebensmittelverpackungen. Preisanstiege oder Versorgungsengpässe wirken deshalb unmittelbar auf weite Teile der Gesamtwirtschaft und machen die Branche in zahlreichen Bereichen systemrelevant.
Den Unternehmen bleibt kaum Handlungsspielraum: Preiserhöhungen sind bei schwacher Nachfrage kaum durchsetzbar, während Energie-, Rohstoff- und Bürokratiekosten nicht beeinflussbar sind. Als verbleibende Stellschraube gilt der Personalabbau. Wolf beschreibt damit eine Abwärtsspirale, aus der die Branche ohne strukturelle Entlastung kaum herausfindet.




