Die ING Group übertrifft im Schlussquartal 2025 die Gewinnerwartungen und erhöht den Blick nach vorn, während die Bank ihre Ertragsbasis zwischen Zinsüberschuss und Gebühren neu austariert.
ING meldet für das vierte Quartal 2025 einen Gewinn von 1,41 Milliarden Euro und liegt damit über den 1,34 Milliarden Euro, die Analysten im Vorfeld erwartet hatten. Gegenüber dem Vorjahresquartal fällt das Ergebnis rund 260 Millionen Euro höher aus, was das Management vor allem mit starken Zins- und Provisionserträgen begründet. Der Erfolg kommt zu einem Zeitpunkt, in dem europäische Banken nach der Zinswende der EZB verstärkt um planbare Ertragsquellen ringen.
Für 2026 erwartet ING Gesamterträge von rund 24 Milliarden Euro nach gut 23 Milliarden Euro im Vorjahr, gestützt durch Kreditwachstum und Gebühren. CEO Steven van Rijswijk sagte dazu: „Wir sehen weiterhin ein gutes Kreditwachstum im Privat- und Firmenkundengeschäft. Die Einlagen steigen weiter - über die ganze Breite.“ und verweist damit auf Rückenwind sowohl im Privat- als auch im Firmenkundengeschäft. Zudem erhöhte die Bank ihre Ergebnisprognose für 2027, die Analysten von J.P. Morgan und RBC als eher vorsichtig einstuften.
Auf der Kostenseite rechnet ING 2026 mit einem moderaten Anstieg auf bis zu 12,8 Milliarden Euro. Damit signalisiert das Institut Kostendisziplin, ohne Wachstumsinitiativen auszubremsen. Für Investoren ist der Pfad relevant, weil er entscheidet, wie viel der Ertragsdynamik tatsächlich in steigender Profitabilität ankommt.
Der Zinsüberschuss stieg im Jahresvergleich um knapp fünf Prozent auf 3,93 Milliarden Euro. Nach dem Gewinnschub vieler Banken durch höhere Zinsen hatte sich dieser Ertragsposten im ersten Halbjahr 2025 jedoch abgeschwächt, nachdem die EZB die Zinsen senkte. Um die Lücke zu schließen, bauen viele Häuser Gebührenmodelle aus. Morningstar-Analyst Johann Scholz warnt jedoch: „Es gibt eine Grenze für Gebühren, gerade bei ING, weil der hohe Anteil des Zinsüberschusses damit nur teilweise kompensiert werden kann“, und verweist auf die Abhängigkeit der Fee-Erlöse von Marktbewertungen im Asset Management.




