JP Morgan setzt auf alternative Exit Pfade

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January 29, 2026
30.01.2026
3 Minuten Lesezeit

Mit einer neuen Einheit für Private Capital Advisory and Solutions will JP Morgan Eigentümer privater Unternehmen, vor allem Private Equity Sponsoren, bei Kapitalmaßnahmen unterstützen, ohne dass Kontrolle abgegeben werden muss. Ob die Großbank damit gegen etablierte Boutique Häuser bestehen kann, ist offen.

Dominanz der Platzhirsche

JP Morgan ist bei M&A, Börsengängen und Fremdkapitalfinanzierungen stark, doch Private Capital Advisory ist ein eigener Markt mit knappen, erfahrenen Spezialisten. Die aktivsten Teams sitzen weniger bei Universalbanken, sondern bei Boutiquen wie Evercore, Jefferies, Lazard und PJT Partners. Evercore beriet 2025 bei großen Fortführungsfonds (Continuation Funds), darunter ein 5,6 Mrd. US Dollar Deal, der Vista Equity Partners eine längere Haltedauer an Cloud Software Group ermöglicht. Ein weiteres Beispiel ist ein 3,6 Mrd. Euro Vehikel rund um Froneri, eine Beteiligung von PAI Partners. Solche Mandate zeigen, wie groß der Markt geworden ist und wie hoch die Erwartungshaltung vieler Kunden an einen erprobten Sekundärmarkt Werkzeugkasten ist.

Fundraising Beziehungen sind der Engpass

Fortführungsfonds verbinden M&A Logik mit klassischer Private Equity Platzierung und verlangen belastbare Beziehungen zu den wichtigsten Sekundärinvestoren. Seit Jahren tauchen bei den großen Transaktionen immer wieder dieselben Käufer auf, darunter Coller Capital, HarbourVest Partners, Carlyle AlpInvest und Goldman Sachs Asset Management. Wer solche Prozesse erfolgreich steuern will, muss die Investorenpräferenzen dieser Häuser genau kennen, von Portfolioprofil bis zu Strukturparametern. Hinzu kommt die Breite der Investorenschaft: Große Fortführungsvehikel erfordern häufig viele einzelne Zusagen, wodurch Investorenansprache und Platzierungsfähigkeit zum Kernfaktor werden. JP Morgan arbeitet dafür seit 2023 mit Campbell Lutyens als Platzierungsberater und Sekundärmarktberater, eine Partnerschaft, die in diesem Umfeld an Gewicht gewinnt.

Talent wird teuer

JP Morgan startet zunächst mit internen Versetzungen und will später extern rekrutieren, trifft dabei aber auf einen Markt mit struktureller Knappheit. Mit der wachsenden Transaktionszahl können erfahrene Berater in diesem Segment sehr hohe Vergütung verlangen. Wie scharf der Wettbewerb ist, zeigt das Beispiel Jefferies: Bloomberg berichtete im August, dass Verträge verschärft wurden, unter anderem mit Freistellungszeiten (Gardening Leave) und Bonus Rückforderungen bei Wechsel zu Wettbewerbern. Für neue Teams erhöht das die Eintrittshürden, weil die stärksten Profile oft langfristig gebunden sind.

Interne Allianzen entscheiden mit

Für klassische M&A oder Aktienkapitalmarkt Banker kann ein Fortführungsfonds wie ein „verlorener Verkauf“ wirken, obwohl er Kundenbindung und spätere Transaktionen sichern kann. In anderen Banken führte das zu Konflikten über Zuständigkeiten, Vergütung und die Frage, wer welchen Beitrag geleistet hat, wenn mehrere Teams parallel am Mandat arbeiten. Ein Berater beschreibt die interne Logik so: „Fortführungsvehikel jetzt, M&A später“ und damit langfristig mehr Geschäft im Haus. JP Morgan betont, die Teams seien auf Zusammenarbeit ausgerichtet, und Keith Canton, Co Leiter Aktienkapitalmärkte in den USA, soll die Einheit intern verankern. Gegenüber dem Wall Street Journal brachte er den Kern auf den Punkt: „Früher musste man nur an einen Börsengang oder einen Verkauf denken. Aber dazwischen gibt es deutlich mehr Möglichkeiten.“

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