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January 27, 2026
28.01.2026
2 Minuten Lesezeit

Das Eppelborner Softwarehaus Krämer IT will beweisen, dass digitale Souveränität keine Utopie ist, und investiert Millionen in eine regionale Alternative zu den Tech-Giganten.

Das Damoklesschwert der Abhängigkeit

Europas Unternehmen haben ein Problem, über das ungern gesprochen wird. Ihre digitale Infrastruktur liegt zu großen Teilen in amerikanischen Händen. Was das konkret bedeutet, zeigte sich am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag: Die US-Regierung übte Druck aus, woraufhin E-Mail-Zugänge und Microsoft-Anwendungen gesperrt wurden. Ein Warnsignal, das in Vorstandsetagen und Kanzleien nachhallen sollte.

Millionen für die Unabhängigkeit

In Eppelborn formiert sich nun Widerstand gegen diese Verwundbarkeit. Das Softwareunternehmen Krämer IT nimmt 1,3 Millionen Euro in die Hand, um eine eigenständige KI-Infrastruktur auf deutschem Boden zu errichten. Kommunen und mittelständische Betriebe sollen künftig auf Sprachassistenten, Übersetzungswerkzeuge und intelligente Dialogsysteme zugreifen können, ohne dass ihre Daten über Server in Übersee wandern. Das Vorhaben könnte langfristig bis zu 30 Arbeitsplätze in der Region schaffen.

Bewährte Technologie, neuer Kontext

Die technische Basis bilden frei verfügbare KI-Modelle, die dem Entwicklungsstand führender Chatbots von vor etwa zwei Jahren entsprechen. Für den praktischen Einsatz in Verwaltung und Wirtschaft genügt das vollauf. Damian Weber, Professor für IT-Sicherheit an der HTW Saar, unterstreicht den eigentlichen Mehrwert: Wer solche Systeme im eigenen Rechenzentrum betreibt, behält die vollständige Kontrolle über sämtliche Datenflüsse. Hochschulen praktizieren diesen Ansatz bereits erfolgreich. Krämer IT überträgt ihn nun in den kommerziellen Maßstab und schafft damit ein Modell, das weit über das Saarland hinaus Schule machen könnte.