Die US-Einheit setzt künftig auf Urteilsvermögen statt Technikwissen. Kritisches Denken und Kommunikation rücken ins Zentrum der Ausbildung.
Die Zeiten, in denen Berufseinsteiger Daten zusammentrugen und Tabellen füllten, neigen sich dem Ende. Bei KPMG US lernen Audit-Praktikanten künftig anderes. Im Schulungszentrum Lakehouse in Florida stehen nicht mehr technische Fertigkeiten im Vordergrund. CEO Tim Walsh hat die Marschrichtung vorgegeben: Analysieren, entscheiden, argumentieren. Wer Mandanten überzeugen will, braucht Urteilsvermögen, keine Bedienungsanleitungen. Das neue Programm setzt auf Praxis. Praktikanten durchlaufen Übungen zum kritischen Denken, messen sich in Teams und trainieren Kommunikation in strukturierten Workshops. Der Umgang mit KI-Ergebnissen steht im Zentrum, aber anders als erwartet. Nicht das Prompten zählt, sondern die Fähigkeit, aus maschinellen Outputs brauchbare Schlüsse zu ziehen und diese zu vertreten.
Was bisher im Lakehouse stattfand, wandert in die regionalen Büros. Die Einführung in Prüfplattformen wie KPMG Clara erfolgt künftig vor Ort. Die drei Tage im Schulungszentrum dienen fortan ausschließlich der Entwicklung von Soft Skills. KPMG erwartet rund 1000 Audit-Praktikanten in diesem Sommer, langfristig könnte das Modell auch auf Steuer und Beratung ausgeweitet werden. Die Branche justiert ihre Ausbildung neu. PwC hat die Zahl der Einstiegsstandorte drastisch reduziert, um Zusammenarbeit zu fördern. EY betont den Wert menschlicher Kreativität gegenüber algorithmischer Gleichförmigkeit. Der Tenor ist überall derselbe: Routinearbeit erledigen Maschinen, Menschen müssen liefern, was Maschinen nicht können.




