Schon 2025 hatte ein internes Gremium bei KPMG Australien Bußen gegen drei Partner beschlossen. Vollstreckt wurden sie erst, als der Fall im Parlament öffentlich wurde.
Im Kern steht der Vorwurf, Prüfer von KPMG Australien hätten vertrauliche Unterlagen bestehender Mandanten genutzt, um sich um Prüfungsaufträge bei anderen Konzernen zu bewerben. Erhoben hat ihn ein früherer Manager des Hauses. Betroffen waren nach Darstellung im australischen Parlament Daten von Unternehmen wie dem Baukonzern Lendlease, dem Immobilienunternehmen Dexus und dem Telekomanbieter Optus.
Bereits im Sommer 2025 sah ein hauseigenes Gremium den Sachverhalt als hinreichend geklärt an und schlug Geldbußen gegen drei Partner vor: 78.000 Dollar für die damalige Chief Operating Officer Eileen Hoggett, 38.000 für die leitende Prüferin Kim Lawry und 22.000 für den Prüfungspartner Paul Rogers. Üblicherweise folgt auf eine solche Empfehlung die sofortige Umsetzung. Diesmal geschah monatelang nichts.
Statt die Bußen zu vollziehen, beauftragte KPMG unter dem Namen „Project Magenta" die Kanzlei Allens mit einer eigenen Aufarbeitung. Der Hintergedanke liegt im Rückblick nahe: Fiele das Ergebnis entlastend aus, wären die Strafen hinfällig. Die Untersuchung lief von September bis Dezember 2025 und kam zum erhofften Schluss. Ihre Grundlage blieb allerdings dünn: vierzehn halbstündige Interviews, die Darstellungen der Betroffenen selbst und eine sehr enge Auslegung der Vorwürfe. Mit niemandem außerhalb des Unternehmens sprachen die Juristen. Ausgerechnet dieser schmale Zuschnitt wurde zum Problem, denn in den Befragungen kam Fehlverhalten zutage, nach dem niemand gesucht hatte.
Erst als die Labor-Senatorin Deborah O'Neill die Anschuldigungen im März öffentlich machte, setzte sich das interne Gremium durch. Für die meisten Partner und die betroffenen Mandanten war das die erste Nachricht über den Sachverhalt. Am 9. April wurden die Bußen verhängt, wobei der damalige Vorstandschef Andrew Yates die Beträge für Hoggett und Lawry noch halbierte. Yates, Hoggett und Rogers haben das Haus inzwischen verlassen, Lawry zeichnet weiterhin für die Prüfung der Bank Westpac verantwortlich. Rund zehn interne und externe Verfahren beschäftigen KPMG Australien derzeit, im August steht eine öffentliche Anhörung an.




