Mit der Umstellung auf tokenbasierte Abrechnung geraten Finanzchefs unter Druck. Erste Unternehmen haben ihr Jahresbudget bereits nach wenigen Monaten erschöpft.
Wirtschaftsprüfer und Analysten sind sich einig: Was sich gerade rund um die Bezahlung von KI-Diensten abspielt, erinnert verdächtig an die Cloud-Welle der Pandemiezeit. Damals pumpten Unternehmen Milliarden in Speicher- und Rechenkapazitäten, um anschließend bei nüchterner Betrachtung den Rotstift anzusetzen. Vieles spricht dafür, dass sich dieses Muster nun wiederholt, allerdings in schnellerem Takt. Gil Luria, Technologie-Analyst beim Investmenthaus D.A. Davidson, formuliert es drastischer. Im Lauf der kommenden Wochen würden zahlreiche Finanzchefs beim Anblick ihrer Anthropic-Rechnung schlicht ausrasten.
Wie ernst die Lage ist, zeigt der Blick auf konkrete Fälle. Mehrere Konzerne, die KPMG begleitet, hatten ihre für das ganze Jahr vorgesehenen Mittel für Tokens und Cloud-Dienste schon nach wenigen Monaten verbraucht. Bei einem dieser Häuser ist der Verbrauch innerhalb kurzer Zeit auf das Sechsfache des ursprünglich kalkulierten Wertes hochgeschossen. Steve Chase, der bei KPMG weltweit das Thema künstliche Intelligenz verantwortet, ordnet im Gespräch mit dem Wall Street Journal ein, was hier passiert. Eine Ressource dieser Art habe es vorher nicht gegeben. Sie müsse erst eingehegt und gesteuert werden, während das Wachstum gleichzeitig exponentielle Züge annehme.
Hinter den Anekdoten steckt eine breite Datenbasis. In einer noch nicht veröffentlichten Erhebung des Beratungshauses geben lediglich 26 Prozent der teilnehmenden Unternehmen an, ihre Ausgaben für KI lückenlos zu kennen. Die Hälfte sieht zumindest Teilbereiche, ein gutes Fünftel tappt komplett im Dunkeln. In dieser letzten Gruppe wird die Höhe des Verbrauchs erst beim Eingang der Abrechnung sichtbar. Damit zeichnet sich ein strukturelles Problem ab. Klassische Controllingsysteme sind auf solche neuen Verrechnungseinheiten nicht ausgelegt. Wer Tokens als steuerbare Größe ins eigene Berichtswesen integrieren will, muss umbauen, sowohl technisch als auch organisatorisch.




