Der angeschlagene Batteriehersteller Varta hat vier Insolvenzanträge gestellt, nachdem die bisherigen Eigentümer kein weiteres Kapital bereitstellen wollten. Wichtige Gläubiger drängen inzwischen auf eine Zerschlagung des Konzerns.
Der deutsche Batteriehersteller Varta hat einen Antrag auf vorläufige Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Ziel sei es, die wirtschaftliche Zukunft des Unternehmens zu sichern und eine nachhaltige Fortführung des Geschäftsbetriebs zu ermöglichen. Insgesamt geht es um vier Insolvenzanträge, das bestätigte eine Sprecherin des Amtsgerichts Stuttgart. Neben der Varta AG als Konzernmuttergesellschaft mit Sitz in Ellwangen sind auch die operativen Einheiten Varta Microbattery, Varta Micro Production und Varta Storage von der Antragstellung betroffen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hatte sich dieser Schritt bereits abgezeichnet, da die bisherigen Eigentümer, der Sportwagenbauer Porsche und der österreichische Unternehmer Michael Tojner, nicht bereit sind, weiteres Kapital bereitzustellen. Nach einem Gutachten der Sanierungsberater von FTI hätte Varta laut Gläubigerangaben eine Finanzspritze im mittleren zweistelligen Millionenbereich gebraucht, um weiterzumachen. Doch trotz intensiver Gespräche sei von keiner Seite eine Zusage zur Bereitstellung der erforderlichen zusätzlichen Finanzmittel eingegangen, wie ein Sprecher der Kreditgeber erklärte.
Bereits zuvor war bekannt geworden, dass wichtige Gläubiger den Konzern aufteilen wollen. Die sogenannte Ad-hoc-Gläubigergruppe um die Deutsche Bank sowie die Finanzinvestoren RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox plant, das profitable Geschäft mit Haushaltsbatterien aus dem Varta-Konzern herauszulösen, eine finanzierbare Lösung für den gesamten Konzern sehen sie derzeit nicht. Michael Tojner hat laut Reuters Interesse am Geschäft mit Mikrobatterien angemeldet, etwa für Hörgeräte. Für die übrigen Unternehmensbereiche dürfte damit ein weiterer Sanierungsschritt notwendig werden. Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut kündigte an, sich weiter für den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze einzusetzen. Die Entscheidung über die Zukunft des Unternehmens liege jedoch letztlich bei Eigentümern, Investoren und Gläubigern. Varta beschäftigt rund 3.260 Menschen und hatte sich bereits 2024 im Rahmen des Restrukturierungsgesetzes StaRUG neu aufgestellt, um eine Insolvenz abzuwenden. Dabei verloren Altaktionäre ihre Beteiligungen und Gläubiger verzichteten auf einen Teil ihrer Forderungen. Die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich jedoch erneut, ein Werk mit rund 350 Mitarbeitern im bayerischen Nördlingen soll im Herbst geschlossen werden. Zudem hatte Varta im Frühjahr mit Apple seinen wichtigsten Kunden verloren, der die Knopfzellen für seine AirPods künftig aus China beziehen will.




