Dokumente eines Whistleblowers legen nahe, dass Aufsichtsrätin Michelle Hinchliffe ihrem früheren Arbeitgeber KPMG schon lange vor der offiziellen Ausschreibung geholfen haben soll, sein Angebot passgenau zuzuschneiden.
Anders als bei den zuvor bekannten Treffen geht es diesmal um konkrete inhaltliche Zuarbeit. Laut Dokumenten, die ein Whistleblower dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss übergab und über die die Australian Financial Review berichtet, soll Hinchliffe bereits 2023 verraten haben, welche Fachgebiete und Regionen für Macquarie bei der Prüferwahl entscheidend würden. Die 37 Jahre lang bei KPMG tätige Managerin habe zudem bestimmte internationale Partner empfohlen und interne Zahlen darüber geteilt, wie viel der Konzern bei jeder der vier großen Gesellschaften ausgab. Auch für den führenden Prüfungspartner habe sie eine Präferenz genannt, KPMG-Partnerin Rachel Gatt, samt Hinweisen, wo diese ihr Profil vor der Präsentation noch schärfen solle.
Der Konzern hält daran fest, dass alle Regeln eingehalten wurden: Hinchliffe habe sich sowohl aus der Bewertung als auch aus der Vergabeentscheidung herausgehalten. Chairman Glenn Stevens räumte vor dem Ausschuss allerdings ein, dass ihr direkter Kontakt zu KPMG-Personal während des Verfahrens interne Vorschriften verletzt habe. Die von KPMG beauftragte Kanzlei Allens prüft die Vorwürfe weiter, parallel läuft die parlamentarische Untersuchung. Das im November vergebene und im August wieder entzogene Mandat bleibt bei PwC, dem langjährigen Prüfer. KPMG-Chef John Sams nannte den Verlust ein deutliches Signal dafür, dass die Folgen früherer Versäumnisse real seien, und verwies auf eine eingeleitete Kulturprüfung, verschärfte Governance und personelle Wechsel im Rahmen eines Aktionsplans.




