Australiens größter Schadenversicherer schreibt sein Audit-Mandat neu aus und lädt den langjährigen Prüfer KPMG ausdrücklich nicht zur Angebotsabgabe ein. Es ist der zweite prominente Abgang binnen eines Monats.
Die Insurance Australia Group (IAG), einer der größten Schadenversicherer im australisch-neuseeländischen Raum, stellt seine externe Abschlussprüfung zur Disposition und verzichtet dabei bewusst auf eine Bewerbung von KPMG, die den Konzern seit dessen Börsengang im Jahr 2000 begleitet hatte. Offiziell begründet IAG den Schritt nicht mit fachlichen Zweifeln, sondern allein mit der Dauer der Zusammenarbeit: Man sei stets gut betreut worden und habe den führenden Prüfungspartner regelmäßig rotiert, doch der Vorstand habe die lange Mandatsdauer zum Anlass für eine Neuausschreibung genommen. Das Verfahren läuft im Geschäftsjahr 2027; die Bestellung der siegreichen Kanzlei müssen die Aktionäre nach dem Corporations Act 2001 genehmigen.
Die Ankündigung fällt in eine Phase anhaltender Kontrolle, der die Prüfsparte von KPMG Australia durch Bundesparlament und Aufsichtsbehörde ausgesetzt ist. Erst im Vormonat hatte die Macquarie Group ihren Wechsel verkündet und den Anteilseignern stattdessen den bisherigen Prüfer PwC empfohlen. Macquarie verwies dabei auf Erkenntnisse des zuständigen Parlamentsausschusses sowie auf eigene Nachforschungen und nannte zwei Bedenken: die Kapazität, nachdem mehrere Schlüsselkräfte des vorgesehenen Prüfteams abgewandert waren, und die Kultur im transparenten Umgang mit Problemen. KPMG zeigte sich enttäuscht, akzeptierte die Entscheidung aber und räumte ein, die Folgen früherer Versäumnisse zu tragen.
Bemerkenswert ist, was in der Mitteilung fehlt. Mit keinem Wort nimmt IAG auf die Untersuchung, auf Ermittlungen oder auf das Verhalten von KPMG Bezug. Tatsächlich sind 26 Jahre ein außergewöhnlich langes Engagement, und eine turnusmäßige Neuvergabe gilt als etablierte Governance-Praxis, unabhängig von Zweifeln an einer einzelnen Gesellschaft. Offen bleibt zudem, ob der Schritt auch prüfungsfremde Leistungen berührt, die KPMG für die Gruppe erbringt.




