Nach massiver Kritik an den Kürzungen will das Land wieder mehr Ausbildungsplätze für angehende Volljuristen anbieten und orientiert sich dabei am Niveau vor der Sparrunde.
Die Empörung war groß, als Nordrhein-Westfalen ab Juli 2024 die Zahl der Referendariatsplätze drastisch reduzierte. Nachwuchsjuristen, Berufsverbände und Opposition kritisierten die Sparmaßnahme scharf. Nun lenkt das bevölkerungsreichste Bundesland ein. Für 2026 plant das Landesjustizministerium eine deutliche Aufstockung der Kapazitäten.
Die Zielmarke liegt bei 3.776 Plätzen, was dem Niveau des Jahres 2023 entspricht. Im Vergleich zu 2025, als lediglich 3.039 Ausbildungsstellen zur Verfügung standen, bedeutet das einen Zuwachs von mehr als 700 Plätzen. Die CDU-Fraktion hatte die Erhöhung zuvor auf Instagram angekündigt und von einer Rückkehr auf 100 Prozent gesprochen. Diese Formulierung führte allerdings zu Verwirrung, da es keine feste Bezugsgröße gibt. Der Haushalt wird jährlich neu verabschiedet, die verfügbaren Mittel für Unterhaltsbeihilfen schwanken entsprechend.
Die Kritik an den Kürzungen speiste sich aus dem Vergleich mit den Jahren 2020 bis 2022. Damals lag die Kapazität zwischen 3.956 und 4.306 Plätzen. Diese außergewöhnlich hohen Zahlen resultierten jedoch aus pandemiebedingten Sondereffekten. Verlängerte Ausbildungszeiten führten dazu, dass mehr Referendare gleichzeitig im System waren als unter normalen Umständen. Nach dem Ende der Pandemie sei eine Beibehaltung dieses Niveaus nicht realistisch gewesen, erklärte das Ministerium seinerzeit.
Die Orientierung am Jahr 2023 lässt sich als Rückkehr zur Normalität interpretieren. Ob diese Größenordnung auch in den Folgejahren Bestand haben wird, bleibt offen. Die Haushaltslage des Landes gilt weiterhin als angespannt. Nordrhein-Westfalen führt bundesweit sowohl bei der Zahl der Einstellungen als auch bei der Flexibilität: Jeden Monat können Absolventen in das Referendariat starten. Dennoch müssen viele Bewerber mit erheblichen Wartezeiten rechnen.




