Plant Merz das Ende des Acht-Stunden-Tags?

blog main image
May 27, 2026
29.05.2026
2 Minuten Lesezeit

Der Koalitionsvertrag von Union und SPD sieht vor, die tägliche Höchstarbeitszeit abzuschaffen und durch eine Wochengrenze zu ersetzen. Rechnerisch wären damit bis zu 73,5 Stunden pro Woche möglich. Arbeitsministerin Bärbel Bas hat sich zuletzt von einer pauschalen Abschaffung der Tagesgrenze distanziert, ein Gesetzentwurf ist dennoch für Juni angekündigt.

Von der Tages- zur Wochengrenze

Paragraf 3 Arbeitszeitgesetz schreibt bislang acht Stunden pro Tag vor, ausnahmsweise zehn, bei einem Halbjahresdurchschnitt von acht Stunden. Künftig soll diese Tagesregel entfallen und nur noch eine wöchentliche Höchstgrenze gelten. Das gewerkschaftsnahe Hugo-Sinzheimer-Institut hat ausgerechnet, was das im Extremfall bedeutet: 24 Stunden minus 11 Stunden Mindestruhezeit minus 45 Minuten Pflichtpause ergibt 12 Stunden und 15 Minuten Arbeit pro Tag, multipliziert mit sechs Werktagen macht 73,5 Stunden pro Woche. Im Halbjahresmittel bliebe die 48-Stunden-Grenze bestehen, einzelne Wochen könnten aber deutlich intensiver ausfallen. Bundeskanzler Merz hat die Reform verteidigt und auf die Notwendigkeit von Flexibilität für die Wettbewerbsfähigkeit verwiesen. Arbeitsministerin Bärbel Bas ist inzwischen auf Distanz gegangen und betont, es gehe nicht um generell längere Arbeitszeiten, sondern um mehr Spielraum für Eltern.

Widerstand und offene Fragen

DGB-Chefin Yasmin Fahimi drohte auf dem DGB-Bundeskongress offen mit Protesten und forderte: Finger weg von der Acht. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sieht ab 40 Wochenstunden erhöhte Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Arbeitsunfälle. Eine forsa-Umfrage zeigt, dass 59 Prozent der Bevölkerung den Wechsel zur Wochengrenze für richtig halten. Eine WSI-Studie kommt hingegen zum gegenteiligen Ergebnis: Knapp drei Viertel der Beschäftigten befürchten negative Folgen für Erholung, Gesundheit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Beschlossen ist noch nichts: Nach dem angekündigten Juni-Entwurf folgen Verbändeanhörung und Bundestagsverfahren. Parallel soll eine elektronische Zeiterfassung kommen, als Umsetzung des EuGH-Urteils von 2019.

Aktuelle Stellenangebote

Meistgelesene Artikel

Unsere Partner

Entdecken Sie mit uns bundesweit exklusive Stellen bei:

Entdecken Sie mit uns bundesweit exklusive Stellen bei:

Entdecken Sie mit uns bundesweit exklusive Stellen bei:

Entdecken Sie mit uns bundesweit exklusive Stellen bei:

Entdecken Sie mit uns bundesweit exklusive Stellen bei: