Die Rentenkommission hat 33 Empfehlungen vorgelegt, die das Rentensystem grundlegend umbauen sollen. Von der Abschaffung der Rente mit 63 über eine Pflicht-Aktienrente bis zur Rentenversicherungspflicht für Selbstständige: Kein gesellschaftlicher Bereich bleibt unberührt.
Die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte fällt weg. Wer 45 Beitragsjahre voll hat, konnte bisher mit 63 ohne Abschläge in Rente gehen. Diese Regelung streicht die Kommission ersatzlos, die Altersgrenze für langjährig Versicherte wird zudem von 63 auf 64 Jahre angehoben. Wer früher aufhören will, muss künftig Abschläge in Kauf nehmen. Nach 2031 soll das Rentenalter an die Lebenserwartung gekoppelt werden: Steigt sie um zwei Jahre, erhöht sich das Rentenalter um ein Jahr. Bei aktuellen Prognosen würde die Regelaltersgrenze bis 2041 auf 67,5 Jahre klettern. Parallel dazu soll eine gesetzliche Kapitalrente nach schwedischem Vorbild eingeführt werden: Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen zunächst je 0,25 Prozent, langfristig bis zu einem Prozent des Bruttolohns in individuelle Kapitalkonten ein, die zentral am Kapitalmarkt angelegt werden. Der Nachhaltigkeitsfaktor, der Lasten zwischen Rentnern und Beitragszahlern verteilt, soll reaktiviert und leicht angepasst werden.
Selbstständige ohne bestehende obligatorische Alterssicherung werden rentenversicherungspflichtig. Wer bereits selbstständig ist, bekommt eine einmalige Opt-out-Option, Neugründer nicht mehr. Langfristig strebt die Kommission eine Erwerbstätigenversicherung an, in die auch Abgeordnete, Vorstände großer Unternehmen und perspektivisch auch Beamte einzahlen. Das Gesamtpaket ist als Kompromiss angelegt und soll als solches umgesetzt werden. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas hatte angekündigt, eine einstimmige Empfehlung direkt umzusetzen. Klar ist: Die Reform trifft alle, Rentner durch verlangsamte Rentenanpassungen, Arbeitnehmer durch höhere Beiträge, Selbstständige durch neue Pflichten. Ob Union und SPD den politischen Mut zur vollständigen Umsetzung aufbringen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.




