Die Kanzlei ordnet die politischen Forderungen nach einer Wiedereinführung der Vermögensteuer ein und warnt vor erheblichen Belastungen für Unternehmen und Immobilieneigentümer.
Die Diskussion um eine gerechtere Vermögensverteilung gewinnt an Intensität. Die Linke fordert eine Vermögensteuer mit progressiven Sätzen von einem bis zwölf Prozent. Privatvermögen ab einer Million Euro und Betriebsvermögen ab fünf Millionen Euro sollen erfasst werden. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung beziffert das jährliche Aufkommen auf rund 147 Milliarden Euro für Länder und Kommunen. Auch SPD und Grüne zeigen sich offen für vermögensbezogene Steuern, setzen aber stärker auf eine Reform der Erbschaftsteuer. Die Union lehnt eine Vermögensteuer ab und warnt vor Kapitalflucht.
Die Steuerexperten von Rödl analysieren die vorgeschlagenen Freibeträge kritisch. Der geplante Freibetrag von fünf Millionen Euro für Betriebsvermögen sei schnell erreicht. Bereits ein durchschnittlicher Jahresgewinn vor Steuern von etwa 520.000 Euro führe im vereinfachten Ertragswertverfahren zu einem Unternehmenswert oberhalb dieser Schwelle. Bei Betrieben mit umfangreichem Anlagevermögen oder Immobilienbestand liege der Substanzwert oft deutlich höher. Ein jährlicher Abfluss von einem bis zwölf Prozent des Unternehmenswertes könne existenzgefährdend wirken.
Auch der Freibetrag von einer Million Euro für Privatvermögen biete angesichts gestiegener Immobilienpreise wenig Schutz. Die Reform der Grundsteuer und angepasste Bewertungsvorschriften führten dazu, dass Immobilien nun marktnah bewertet werden. Viele Eigentümer erreichten die Schwelle, ohne über entsprechende Liquidität zu verfügen. Die Besteuerung greife in gebundenes Vermögen ein und bedrohe die Substanz.
Die OECD betrachte die Erbschaftsteuer als vorzugswürdig gegenüber einer jährlichen Vermögensabgabe. Während letztere enormen bürokratischen Aufwand durch jährliche Neubewertungen verursache, belaste die Erbschaftsteuer eine Generation nur einmal. Rödl hält eine Verschärfung der Erbschaftsteuer für wahrscheinlich, eine Vermögensteuer unter der aktuellen Regierung hingegen für unwahrscheinlich.




