Steuerberater in Deutschland: Kapazitäten am Limit

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March 12, 2026
13.03.2026
3 Minuten Lesezeit

Eine Analyse zeigt große regionale Unterschiede bei der Verfügbarkeit von Steuerberatern. Besonders Selbstständige mit kleinen Umsätzen haben Schwierigkeiten, einen Berater zu finden.

Ungleiche Verteilung im Land

Die Suche nach einem Steuerberater gestaltet sich je nach Wohnort sehr unterschiedlich. Eine aktuelle Untersuchung der Berliner Steuer-App Accountable hat ermittelt, wie viele Steuerberater in den größten deutschen Städten tätig sind. Die Ergebnisse offenbaren ein deutliches Gefälle zwischen einzelnen Regionen.

Großstädte führen das Ranking an

An der Spitze stehen die wirtschaftsstarken Metropolen. Düsseldorf verzeichnet mit 46 Steuerberatern pro 10.000 Einwohner die höchste Dichte. Stuttgart folgt mit 33, München kommt auf 30. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei knapp 13 Beratern pro 10.000 Einwohner. Am unteren Ende des Rankings finden sich Städte wie Salzgitter in Niedersachsen oder Gelsenkirchen in Nordrhein-Westfalen.

Kleine Mandate unerwünscht

Die bloße Anzahl an Kanzleien sagt allerdings wenig über deren Erreichbarkeit aus. Accountable-Gründer Tino Keller beschreibt ein weit verbreitetes Problem: Viele Kanzleien nehmen keine neuen Mandate mehr an oder bevorzugen wirtschaftlich lukrativere Fälle. Wer nur geringe oder schwankende Umsätze erzielt, erhält häufig eine Absage oder gar keine Rückmeldung auf Anfragen. Besonders junge Unternehmer und Solo-Selbstständige spüren die Engpässe. Ihre Steuerfälle sind oft komplex, aber finanziell weniger attraktiv für Kanzleien. Die Ablehnung liegt laut Keller nicht an mangelnder Bereitschaft der Berater, sondern an schlicht fehlenden Kapazitäten. Die Branche arbeitet vielerorts am Anschlag.

Strukturelles Problem

Die ungleiche Verteilung von Steuerberatern spiegelt wirtschaftliche Realitäten wider. Wo Unternehmen und wohlhabende Privatpersonen konzentriert sind, siedeln sich auch mehr Kanzleien an. Strukturschwächere Regionen haben das Nachsehen. Für Steuerpflichtige dort bleibt oft nur der Weg über digitale Lösungen oder lange Anfahrten zum nächsten verfügbaren Berater.

Digitalisierung als Ausweg

Die Situation befeuert das Wachstum digitaler Steuertools. Apps und Online-Plattformen versprechen Abhilfe, zumindest für einfachere Fälle. Ob sie die persönliche Beratung ersetzen können, bleibt umstritten. Für komplexe Sachverhalte oder bei Betriebsprüfungen führt an einem erfahrenen Steuerberater kaum ein Weg vorbei.