Die Mailänder Großbank geht auf Konfrontation mit Bundesregierung und Management. Für jede Commerzbank-Aktie bietet sie 0,485 eigene Papiere, das entspricht 30,80 Euro.
Die italienische Unicredit macht ernst und legt den Commerzbank-Aktionären ein offizielles Kaufangebot vor. Ziel ist es, die gesetzliche 30-Prozent-Schwelle zu überschreiten und damit eine Angebotspflicht auszulösen. Unicredit-Chef Andrea Orcel hofft auf einen konstruktiven Dialog mit dem Frankfurter Institut und dessen Stakeholdern. Das Umtauschverhältnis: 0,485 Unicredit-Aktien für jede Commerzbank-Aktie. Das entspricht 30,80 Euro je Anteil, ein Aufschlag von vier Prozent zum Schlusskurs vom 13. März. Die formelle Vorlage soll Anfang Mai erfolgen, mit einer vierwöchigen Annahmefrist. Für Mai ist auch eine außerordentliche Hauptversammlung geplant.
Der Bund hält gut zwölf Prozent der Commerzbank und will nicht verkaufen. Bundeskanzler Friedrich Merz betont, man setze auf eine starke und unabhängige Commerzbank. Auch Hessens Ministerpräsident Boris Rhein reagiert zurückhaltend. Man werde die Situation ergebnisoffen prüfen, so der CDU-Politiker. Maßstab bleibe, dass der europäische Finanzplatz Frankfurt gestärkt und nicht geschwächt werde. Die Interessen von Mitarbeitern und Kunden müssten angemessen berücksichtigt werden.
Der Commerzbank-Kurs sprang im vorbörslichen Handel auf Tradegate zunächst um neun Prozent, pendelte sich dann bei 30,81 Euro ein. Das sind gut vier Prozent über dem Xetra-Schlusskurs vom Freitag. Unicredit-Papiere rutschten leicht ins Minus. Die Mailänder werben seit September 2024 um die Commerzbank. Sie halten bereits gut 26 Prozent direkt und haben über Finanzinstrumente Zugriff auf weitere drei Prozent. EZB und Bundeskartellamt gaben bereits grünes Licht für eine Aufstockung auf knapp 30 Prozent. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp verteidigt die Eigenständigkeit mit ehrgeizigen Renditezielen, höheren Dividenden und trotz Rekordgewinn 2024 dem Abbau von 3.900 Stellen. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet einen Kahlschlag und verweist auf die HVB-Übernahme 2005, die zu einem Schrumpfkurs führte.




