Geopolitische Spannungen, hohe Zinsen und schwaches Wachstum stellen Private-Equity-Fonds und ihre Portfoliounternehmen auf die Probe. Branchenexperten von Yielco, BayBG, KENFO, Auctus und der HHL Leipzig ordnen ein, wie widerstandsfähig das Modell wirklich ist.
Unternehmen mit einem erfahrenen Private-Equity-Investor sind beim Krisenmanagement grundsätzlich im Vorteil, sagt María Sanz García, Head Private Equity bei Yielco Investments: „Private-Equity-Häuser bringen in der Regel eine sehr aktive und agile Governance mit, treffen Entscheidungen schnell und unterstützen Managementteams operativ und strategisch.“ Studien zur Finanzkrise von 2008 zeigen, dass PE-finanzierte Unternehmen in Stressphasen relativ mehr investieren konnten und besseren Zugang zu Kapital hatten. Gleichzeitig arbeiten solche Unternehmen häufig mit höherem Verschuldungsgrad, was die Belastung in Phasen steigender Zinsen erhöht, besonders wenn höhere Finanzierungskosten mit Zöllen, Energiepreisen oder rückläufiger Nachfrage zusammentreffen.
Peter Pauli, Sprecher der Geschäftsführung bei der BayBG, nennt Kapazitätsabbau, Kostensenkungen, Personalabbau und die Optimierung des Working Capitals als häufigste Krisenmaßnahmen, ergänzt um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz für Effizienzgewinne. Buy-and-Build-Strategien bleiben laut García trotz schwierigerem Umfeld relevant, Akquisitionen werden aber deutlich selektiver geprüft und stärker auf operative Synergien ausgerichtet. Dr. Ingo Krocke, Gründer von Auctus Capital Partners und BVK-Vorstand, nutzt die Marktschwäche der Gastronomie für weitere Zukäufe über die Plattform Gustoso sowie für organisches Wachstum durch neue Standorte. Parallel dazu digitalisiert das Unternehmen sein Geschäft, um die Kostenbasis zu stabilisieren.
Prof. Dr. Bernhard Schwetzler von der HHL Leipzig beobachtet, dass Fonds zunächst prüfen, ob sich Liquidität intern heben lässt, etwa über Forderungsmanagement oder einen Capex-Stopp. Zusätzliches Eigenkapital kommt meist erst zum Einsatz, wenn auch andere Stakeholder Beiträge leisten. Neben klassischen Kapitalzuführungen setzt die Branche zunehmend auf Secondaries und Continuation Vehicles, was García kritisch sieht: „Viele dieser Transaktionen sind mit potenziellen Interessenkonflikten verbunden, da der Fondsmanager gleichzeitig Verkäufer und Initiator des neuen Vehikels ist.“ Die hohe Unsicherheit führt laut Schwetzler zu niedrigeren Bewertungen, weniger Exits und längeren Haltedauern, was den Druck auf die Renditen erhöht. Verena Kempe von KENFO verweist darauf, dass der S&P 500 den breiten Private-Equity-Markt zuletzt outperformt habe und die Anlageklasse ihre Illiquidität langfristig durch eine entsprechende Überrendite rechtfertigen müsse. Insgesamt erwarten die Experten einen selektiveren Markt, in dem operative Kompetenz und Sektor-Know-how wichtiger werden als reine Finanzstrukturierung.




