Der Chef von Forvis Mazars, Pascal Jauffret, hat vor einem Engpass bei international tätigen Prüfungsgesellschaften gewarnt. Andere Stimmen aus der Branche zeichnen ein differenzierteres Bild. Nachwuchsmangel, Private-Equity-Beteiligungen und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz treffen dabei aufeinander.
Nach Einschätzung von Hilde Blomme, stellvertretende Chefin von Accountancy Europe, sinkt die Zahl der aktiven Prüferinnen und Prüfer in vielen europäischen Ländern. Ausschlaggebend sei die Altersstruktur: Ruheständler übersteigen an manchen Standorten die Zahl der jungen Nachrücker. Damit erwische die Entwicklung Häuser aller Größen. Gegenmaßnahmen laufen bereits, etwa Kampagnen des internationalen Verbandes IFAC. Auffällig ist zudem ein struktureller Wandel in der Rekrutierung. Laut einer Studie des britischen Instituts ICAEW planen 49 Prozent der mittelständischen Kanzleien mehr Schulabgänger einzustellen, während 40 Prozent die Zahl der Hochschulabsolventen reduzieren wollen.
Wendy Russell, die bei Grant Thornton UK das Prüfungsgeschäft leitet, sieht die Lage im Segment der Public Interest Entities weniger dramatisch. Der begrenzte Kreis an Anbietern liege in der besonderen Fachkompetenz begründet, die solche Mandate erfordern. Prüfungsausschüsse hätten sehr wohl die Möglichkeit, auch außerhalb der Big Four qualifizierte Häuser zu beauftragen. Andere Kanzleien wie Haines Watts konzentrieren sich bewusst auf das Segment jenseits börsennotierter Unternehmen und stellen fest, dass ausländische Konzerne mit kleineren britischen Töchtern zunehmend nach lokalen Alternativen zum globalen Prüfer suchen.
Beim Blick auf die Technologie sind sich viele einig. Künstliche Intelligenz wird viele routinelastige Aufgaben übernehmen und den Beruf gerade für Berufseinsteiger attraktiver machen. Grenzen sieht die Branche bei subjektiven Bewertungen, die weiterhin menschliches Urteil erforderten. Auch der Rolle von Private Equity begegnen einige gelassen. Chris Butt von Azets etwa verweist darauf, dass die Kapitalspritzen sowohl personelle als auch technologische Investitionen ermöglicht hätten.




