Innerhalb von zehn Monaten sind vertrauliche Konversationen mit dem KI-Assistenten von Anthropic zum zweiten Mal in öffentlichen Suchtreffern gelandet. Der Wiederholungscharakter macht den Fall für alle Berufsstände relevant, die mit Verschwiegenheitspflichten arbeiten.
Bereits im September 2025 hatte Forbes berichtet, dass mehrere hundert Claude-Gesprächsverläufe in den Trefferlisten von Google und Microsoft aufgetaucht waren. Anthropic argumentierte damals, technische Vorkehrungen gegen Crawler seien aktiv und die Links nur durch Eigenverschulden der Nutzer publik geworden. Betroffene bestritten das öffentlich. Nun folgt die Neuauflage in deutlich größerem Umfang.
Kern des Problems ist eine kleine Option in der Chat-Freigabe: Wer ein Gespräch teilt, kann zusätzlich anhaken, dass die Adresse öffentlich auffindbar wird, dieselbe Konstruktion hatte OpenAI im August 2025 rund um ChatGPT Kritik eingebracht. Die aktuellen Claude-Freigaben ließen sich am Wochenende über eine Standard-Site-Suche massenhaft abrufen. In den Trefferlisten fanden sich unter anderem Zugangsdaten für Krypto-Wallets und personenbezogene Kennnummern. Google blendet die Treffer inzwischen aus, andere Suchdienste hatten die Inhalte länger im Index.
Für Kanzleien, Prüfungsgesellschaften und Beratungshäuser bedeutet der Fall vor allem eines: die aktiven Freigaben in den Datenschutz-Einstellungen jedes eingesetzten KI-Werkzeugs regelmäßig zu überprüfen. Bei Claude finden sich diese Übersichten unter Geteilte Chats und Geteilte Artefakte.




