160.000 Prüfungen bei EY: Wer haftet, wenn die KI irrt?

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June 29, 2026
29.06.2026
3 Minuten Lesezeit

EY will bis Ende 2026 rund 160.000 Prüfungsaufträge mit autonomen Agenten bearbeiten, Deloitte stattet 85.000 Prüfer mit einem vergleichbaren System aus. Die Branche treibt den Einsatz voran, doch Haftungsfragen bleiben offen.

Großoffensive bei den Big Four

Im Zentrum der Bewegung stehen die großen Beratungshäuser. Bei EY werden ab Juli Multi-Agenten-Systeme auf Microsoft-Azure-Basis aktiv. Bereits Pilotversuche zeigten, dass sich Routineaufgaben um zwei Fünftel reduzieren lassen. Deloitte verfolgt mit einem eigenen Netzwerk für seine 85.000 Prüfer ähnliche Ambitionen. Beide Häuser setzen darauf, dass sich der Effizienzgewinn auf Mandate in nie dagewesener Größenordnung übertragen lässt.

Wenn Code Probleme schafft, statt sie zu lösen

Eine ernüchternde Beobachtung macht den Umfang des Problems deutlich. Vier von zehn Codezeilen entstehen heute bereits mit KI-Unterstützung. Gleichzeitig berichten ein Fünftel der Unternehmen von ernsthaften Zwischenfällen, die genau auf solchen maschinell erzeugten Code zurückgehen. Branchenkenner mahnen klare Verträge mit Anbietern an, daneben durchgängige Review-Pflichten und zentrale Governance-Strukturen.

Vom Aktienhandel bis zum Online-Einkauf

Bemerkenswert ist, wie weit autonome Systeme inzwischen über klassische Bürotätigkeiten hinausgreifen. Coinbase etwa öffnet seine Plattform für Systeme wie ChatGPT oder Claude, die innerhalb vorgegebener Limits eigenständig Handelsaufträge und Zahlungen abwickeln dürfen. Prognosen gehen davon aus, dass solche Agenten bis 2030 etwa ein Fünftel des globalen E-Commerce-Volumens steuern könnten.

Werkzeugkasten für die Finanzabteilung

Zurück in der Finanzwelt: Hier mischen zahlreiche Anbieter mit. Qurrent hat über seine Plattform bereits 1,5 Milliarden Euro an Zahlungen verarbeitet und nach eigenen Angaben das Vertragsmanagement um 84 Prozent beschleunigt. Maxima rühmt sich mit einem Werkzeug namens „Max" einer Effizienzsteigerung von bis zu 80 Prozent pro Mitarbeiter, was rund 60 Stunden im Monat entspricht. Trintech hat zwei spezialisierte Programme an den Markt gebracht, die Kontenschwankungen analysieren und Budget mit Ist-Werten abgleichen.

Wenn CFOs die Hoheit zurückwollen

Mit der wachsenden Eigenständigkeit der Systeme steigt der Wunsch nach Aufsicht. BlackLine, dessen Software bei 57 Prozent der DAX-40-Konzerne läuft, hat eine „Finance Control Console" vorgestellt. CEO Owen Ryan sieht darin das Werkzeug, das Finanzvorständen wieder das Heft in die Hand gibt. Echtzeit-Einsichten, Prüfprotokolle und nachvollziehbare Entscheidungswege gehören zum Lieferumfang. Das Prinzip des „Human-in-the-Loop" bleibt dabei die Leitlinie.

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