Konflikte auf der Weltbühne und teurere Rohstoffe drücken die Stimmung. Der Mittelstand leidet besonders. Einzig Tech-Firmen trotzen dem Abwärtstrend.
Die Zuversicht unter deutschen Finanzvorständen schwindet rapide. Deloitte hat für seinen aktuellen CFO Survey 164 Finanzchefs befragt. Das Ergebnis: Knapp jeder Zweite beurteilt die Lage seines Unternehmens schlechter als noch vor einem Vierteljahr. Der Stimmungsindex, der Optimisten gegen Pessimisten aufrechnet, stürzte von plus eins im vergangenen Herbst auf minus 21 Punkte ab.
Internationale Spannungen haben sich zur Hauptsorge entwickelt. Fast zwei Drittel der Befragten stufen geopolitische Risiken als gravierend ein. Vor sechs Monaten lag dieser Wert noch elf Punkte niedriger. Parallel schießen die Bedenken wegen steigender Preise in die Höhe. 46 Prozent fürchten teurere Rohstoffe, 43 Prozent höhere Energierechnungen. Beide Werte kletterten um mehr als zwanzig Punkte. Der einst allgegenwärtige Fachkräftemangel rückt dagegen in den Hintergrund. Nur noch jeder Fünfte nennt ihn als drängendes Problem.
Die Stimmung schwankt je nach Sektor erheblich. Immobilienfirmen verzeichnen den tiefsten Stand mit minus 50 Punkten, Maschinenbauer folgen mit minus 38. Gegen den Strom schwimmt die Technologiebranche. Dort notiert der Index im positiven Bereich bei plus acht Punkten.
Konzerne zeigen sich gelassener als kleinere Betriebe. Gut zwei Drittel der großen Firmen erwarten wachsende Erlöse, knapp die Hälfte rechnet mit besseren Margen. Im Mittelstand herrscht mehr Skepsis. Nur etwas mehr als die Hälfte geht von steigenden Umsätzen aus, rund 39 Prozent hoffen auf höhere Gewinnspannen. Alexander Börsch, Chefökonom bei Deloitte, liefert eine Erklärung: Deutsche Unternehmen seien stark international verflochten und spürten globale Verwerfungen deshalb besonders. Konzerne mit breiter gestreuten Produktionsstandorten könnten Schocks besser abfangen.
Die Bereitschaft zu investieren ist seit dem Herbst eingebrochen. Im Mittelstand überwiegen die Unternehmen, die Ausgaben kürzen wollen. Rund ein Drittel plant Einschnitte. Großunternehmen agieren etwas offensiver. Gut ein Viertel will mehr Geld in die Hand nehmen, knapp die Hälfte hält das bisherige Niveau.
Auch bei den Stellenplänen dominiert Vorsicht. Der Beschäftigungsindex liegt bei minus 20 Punkten. Fast die Hälfte der großen Firmen plant Stellenstreichungen. Im Mittelstand fällt der Rückgang etwas moderater aus.
Börsch mahnt: Trotz staatlicher Förderprogramme gebe es keine Anzeichen für eine Konjunkturwende. Ohne spürbar höhere Investitionen ließen sich weder Produktivität noch Wohlstand steigern. Reformen und wirtschaftspolitische Anstöße seien jetzt dringend geboten.




