Deloitte: Österreichs Steuersystem wird zum Standortrisiko

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September 17, 2026
18.09.2026
2 Minuten Lesezeit

Drei Viertel der österreichischen Unternehmen bewerten das Steuerumfeld im Europavergleich als Belastung, und der Abstieg im internationalen Ranking verschärft den Druck, der auch auf die gesamte DACH-Region ausstrahlt.

Ein hartnäckig hohes Unbehagen

Das österreichische Steuersystem bleibt für die Wirtschaft ein Reizthema. Im „Austrian Tax Survey 2026“ von Deloitte, für den rund 300 Führungskräfte befragt wurden, empfinden 74 Prozent das steuerliche Umfeld im europäischen Vergleich als herausfordernd. Zwar liegt der Wert unter den 79 Prozent des Vorjahres, doch Deloitte selbst wertet den Rückgang als statistisch unerheblich und verweist auf ein seit Jahren anhaltend hohes Niveau. Bemerkenswert ist, dass strukturelle Nachteile im Inland, etwa hohe Abgaben und ausufernde Bürokratie, kritischer gesehen werden als die globale Gemengelage. Bestätigt sieht sich Deloitte durch das World Competitiveness Ranking des IMD, in dem Österreich von Rang 26 auf 29 zurückfiel, mit Steuerpolitik und öffentlichen Finanzen als zentralen Schwachstellen.

Komplexität ohne Verlässlichkeit

Was Unternehmen besonders zusetzt, ist die Vielschichtigkeit der Regelungen, kombiniert mit fehlender Planbarkeit. Neben der reinen Komplexität nennen die Befragten Lohnabgaben, Betriebsprüfungen und Abgabenverfahren sowie Compliance-Prozesse als Belastungen. Hinzu kommt Verunsicherung durch die Politik: Mehr als die Hälfte fühlt sich durch Debatten über neue Steuern verunsichert, dazu erschweren häufige Gesetzesänderungen und widersprüchliche Auslegungen der Finanzverwaltung die Planung. Herbert Kovar, Managing Partner für Tax & Legal bei Deloitte Österreich, fordert klare Regeln und ausreichend Umsetzungsfristen, damit sich Betriebe wieder auf das System verlassen könnten.

Signalwirkung über die Grenze hinaus

Die Befunde sind kein rein österreichisches Phänomen. Da Deutschland und die Schweiz im selben Standortwettbewerb um Investitionen, Fachkräfte und Konzernsitze stehen, wirkt jede steuerliche Schwäche eines Nachbarn unmittelbar auf die relative Attraktivität der gesamten DACH-Region. Für Steuerberater und CFOs diesseits wie jenseits der Grenze illustriert die Umfrage ein gemeinsames Muster: Wo sich Rahmenbedingungen ständig verschieben und neue Auflagen hinzukommen, leidet die unternehmerische Planungssicherheit. Kovar plädiert dafür, genau dort anzusetzen, wo die Politik selbst gestalten kann, nämlich bei Steuern, Bürokratie und Investitionsbedingungen als Teil einer umfassenden Standortstrategie. Ein Appell, der angesichts vergleichbarer Reformdebatten in Deutschland weit über Österreich hinaus Gewicht hat.

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